Konjunktur Stabilisierung ab 2010 erwartet
24.04.09 12:04
Conrad Hinrich Donner Bank
Hamburg (aktiencheck.de AG) - Schon seit über einem Jahr verschlechtert sich der Grundton der Wirtschaftsnachrichten, so die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank.
Auf die Finanzkrise sei eine globale Rezession gefolgt. Die Heftigkeit des Konjunkturrückgangs und Ereignisse wie der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers hätten eine allgemeine Verunsicherung verursacht. Dies habe gut zehn Jahre nach der Asienkrise nun auch in den USA und Europa zu einem Umdenken in der Bewertung und Regulierung derjenigen Risiken geführt, mit denen Finanzinstitute und Versicherungen arbeiten würden. Darüber hinaus räumten die Medien extremsten Negativszenarien eine überhöhte Wahrscheinlichkeit ein, da nach den jüngsten Erfahrungen das Unmögliche möglich erschien, so die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank.
Angesichts dieser Mischung von Schwarzmalerei und tatsächlicher Krise sei es hilfreich, auf die stabilisierenden Faktoren zu verweisen. Der Finanzmarkt werde seine Funktionsfähigkeit nicht verlieren, da nach den Signalen von Regierungen und Zentralbanken systemrelevante Banken als sicher gelten dürften. Die Realwirtschaft leide zwar unter der Rezession, doch werde sie mit expansiver Geldpolitik und Konjunkturprogrammen unterstützt. Dabei vergehe wie üblich mindestens ein halbes Jahr von dem Beschluss und der Umsetzung der Maßnahmen bis zu deren Wirkung. Auch die internationale Zusammenarbeit gegen die Rezession wie im G20-Gipfel in London stimme positiv und sollte eine Flucht in den Protektionismus verhindern.
Der Ernst der Lage zeige sich am Konjunkturausblick für das Jahr 2009. Für die europäische Währungsunion und die USA zeichne sich ein Rückgang des Wirtschaftswachstums in der Bandbreite von 3% bis 5% ab. Für Deutschland werde ein Verlust des BIP im unteren Bereich dieser Bandbreite erwartet, da es als Exportnation in besonderem Maße vom verringerten Welthandel betroffen sei. Bei diesen Konjunkturvorgaben werde die Konsumnachfrage im Jahr 2009 so deutlich zurückgehen, dass ein Rückgang des Preisniveaus zu erwarten sei. In den USA könnten die Konsumentenpreise um ungefähr 1,5% fallen. Im europäischen Währungsraum sollten die staatlichen Sozialsysteme die Nachfrage etwas besser als in Amerika stützen, weshalb sich die Konsumentenpreise auch stabiler entwickeln sollten.
Diese Rezession in Amerika nehme eine Sonderstellung in der Geschichte der letzten 60 Jahre ein. Die Entstehungsgeschichte, das Ausmaß und die globalen staatlichen Stützungsaktionen seien außergewöhnlich. Neben diesen Besonderheiten folge die Rezession durchaus einem klassischen Muster eines Konjunkturverlaufs. Zu Beginn seien die Auftragseingänge zurückgegangen, daraufhin hätten die Unternehmen ihre Gewinnprognosen nach unten korrigieren und letztlich Mitarbeiter entlassen müssen. Als Folge von steigender Arbeitslosigkeit und Arbeitsplatzunsicherheit hätten sich die Verbraucher mit dem Konsum zurückgehalten.
Mit der sinkenden Nachfrage sei bei den Unternehmen der Optimismus geschwunden und sie hätten mit einem Abbau der Lager reagiert. Dafür hätten sie die Produktion stärker reduziert, als die Nachfrage zurückgegangen sei, was den scharfen Einbruch der Industrieproduktion erkläre. Ein Blick auf die jüngere Vergangenheit zeige, dass vor einer Trendwende die Lagerbestände deutlich verringert werden müssten, ehe die Industrieproduktion ausgeweitet werde, um die Nachfrage zu bedienen. Vor diesem Hintergrund sollte der amerikanischen Volkswirtschaft noch die schwerste Phase der Rezession bevorstehen, da aktuell erst mit der Räumung der Lagerbestände begonnen worden sei.
Erschwerend komme hinzu, dass die von der Finanzkrise ausgelöste Kreditklemme nach wie vor die Unternehmen belaste. Zu solch ungünstigen Konditionen würden viele Unternehmen auf nicht betriebsnotwendige Investitionen verzichten und damit der Wirtschaft in einem Umfang Nachfrage entziehen, der über das übliche Maß einer Rezession hinausgehe. Dennoch stünden die Chancen gut, dass sich die amerikanische Volkswirtschaft Anfang nächsten Jahres stabilisiere. Die Grundlage für ein Ende der Finanzkrise sei mit dem Bankenrettungsschirm gelegt und spätestens, wenn sich die Lagerbestände leeren würden, werde die Nachfrage positive Impulse für die Produktion setzen.
So werde die Depression ausbleiben und die Hauptsorge sollte sich auf die Frage konzentrieren, wann die Amerikaner ihr Wirtschaftspotenzial wieder voll ausschöpfen würden. Dies sei eine Herausforderung, denn die USA stünden nach dieser Rezession vor strukturellen Veränderungen. Ihre Sparquote sollte dauerhaft auf ein Niveau anderer Industrienationen ansteigen. Der Konsum würde damit zwar als Wachstumsmotor ausfallen, aber als Ausgleich biete es sich unter anderem an, die Exportanstrengungen zu verstärken, um gleichzeitig das Ungleichgewicht im Außenhandel abzubauen.
Wie in den vergangenen 60 Jahren habe auch diese US-Rezession zu einem Rückschlag im Welthandel geführt. Diese negative Entwicklung werde wahrscheinlich dieses Jahr anhalten und zusätzlich zur niedrigen Binnennachfrage über einen Exportrückgang die europäische Wirtschaft belasten. Deutschland werde im Jahr 2009 eine über 10% geringere Auslandsnachfrage verkraften müssen und es stehe zu befürchten, dass trotz vergangener Arbeitsmarktreformen die Arbeitslosenrate 10% übersteige. Die Aussichten in den anderen Ländern der europäischen Währungsunion würden nicht optimistischer stimmen.
Vor diesem Hintergrund seien die Konjunkturpakete in Europa so wichtig. Ihre Kosten lägen bei ca. 1,5% des BIP der Währungsunion und würden damit geringer ausfallen als in den USA, wo die Regierung um die 6% des BIP fiskalpolitisch einsetze. Im Unterschied zu den USA sei in Europa das soziale Netz stärker ausgeprägt. In Krisenzeiten wirke sich das beispielsweise über Versicherungsleistungen für Arbeitslose automatisch stabilisierend aus. Laut EZB übersteige dieser Effekt die Wirkung der Konjunkturprogramme um das Doppelte, sodass die amerikanischen und europäischen Regierungen einen Einsatz in ähnlicher Größenordnung leisten würden. Europa sollte damit - wie die USA - nächstes Jahr den negativen Wachstumsraten ein Ende setzen. (Ausgabe 2. Quartal 2009) (24.04.2009/ac/a/m)
Auf die Finanzkrise sei eine globale Rezession gefolgt. Die Heftigkeit des Konjunkturrückgangs und Ereignisse wie der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers hätten eine allgemeine Verunsicherung verursacht. Dies habe gut zehn Jahre nach der Asienkrise nun auch in den USA und Europa zu einem Umdenken in der Bewertung und Regulierung derjenigen Risiken geführt, mit denen Finanzinstitute und Versicherungen arbeiten würden. Darüber hinaus räumten die Medien extremsten Negativszenarien eine überhöhte Wahrscheinlichkeit ein, da nach den jüngsten Erfahrungen das Unmögliche möglich erschien, so die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank.
Angesichts dieser Mischung von Schwarzmalerei und tatsächlicher Krise sei es hilfreich, auf die stabilisierenden Faktoren zu verweisen. Der Finanzmarkt werde seine Funktionsfähigkeit nicht verlieren, da nach den Signalen von Regierungen und Zentralbanken systemrelevante Banken als sicher gelten dürften. Die Realwirtschaft leide zwar unter der Rezession, doch werde sie mit expansiver Geldpolitik und Konjunkturprogrammen unterstützt. Dabei vergehe wie üblich mindestens ein halbes Jahr von dem Beschluss und der Umsetzung der Maßnahmen bis zu deren Wirkung. Auch die internationale Zusammenarbeit gegen die Rezession wie im G20-Gipfel in London stimme positiv und sollte eine Flucht in den Protektionismus verhindern.
Der Ernst der Lage zeige sich am Konjunkturausblick für das Jahr 2009. Für die europäische Währungsunion und die USA zeichne sich ein Rückgang des Wirtschaftswachstums in der Bandbreite von 3% bis 5% ab. Für Deutschland werde ein Verlust des BIP im unteren Bereich dieser Bandbreite erwartet, da es als Exportnation in besonderem Maße vom verringerten Welthandel betroffen sei. Bei diesen Konjunkturvorgaben werde die Konsumnachfrage im Jahr 2009 so deutlich zurückgehen, dass ein Rückgang des Preisniveaus zu erwarten sei. In den USA könnten die Konsumentenpreise um ungefähr 1,5% fallen. Im europäischen Währungsraum sollten die staatlichen Sozialsysteme die Nachfrage etwas besser als in Amerika stützen, weshalb sich die Konsumentenpreise auch stabiler entwickeln sollten.
Mit der sinkenden Nachfrage sei bei den Unternehmen der Optimismus geschwunden und sie hätten mit einem Abbau der Lager reagiert. Dafür hätten sie die Produktion stärker reduziert, als die Nachfrage zurückgegangen sei, was den scharfen Einbruch der Industrieproduktion erkläre. Ein Blick auf die jüngere Vergangenheit zeige, dass vor einer Trendwende die Lagerbestände deutlich verringert werden müssten, ehe die Industrieproduktion ausgeweitet werde, um die Nachfrage zu bedienen. Vor diesem Hintergrund sollte der amerikanischen Volkswirtschaft noch die schwerste Phase der Rezession bevorstehen, da aktuell erst mit der Räumung der Lagerbestände begonnen worden sei.
Erschwerend komme hinzu, dass die von der Finanzkrise ausgelöste Kreditklemme nach wie vor die Unternehmen belaste. Zu solch ungünstigen Konditionen würden viele Unternehmen auf nicht betriebsnotwendige Investitionen verzichten und damit der Wirtschaft in einem Umfang Nachfrage entziehen, der über das übliche Maß einer Rezession hinausgehe. Dennoch stünden die Chancen gut, dass sich die amerikanische Volkswirtschaft Anfang nächsten Jahres stabilisiere. Die Grundlage für ein Ende der Finanzkrise sei mit dem Bankenrettungsschirm gelegt und spätestens, wenn sich die Lagerbestände leeren würden, werde die Nachfrage positive Impulse für die Produktion setzen.
So werde die Depression ausbleiben und die Hauptsorge sollte sich auf die Frage konzentrieren, wann die Amerikaner ihr Wirtschaftspotenzial wieder voll ausschöpfen würden. Dies sei eine Herausforderung, denn die USA stünden nach dieser Rezession vor strukturellen Veränderungen. Ihre Sparquote sollte dauerhaft auf ein Niveau anderer Industrienationen ansteigen. Der Konsum würde damit zwar als Wachstumsmotor ausfallen, aber als Ausgleich biete es sich unter anderem an, die Exportanstrengungen zu verstärken, um gleichzeitig das Ungleichgewicht im Außenhandel abzubauen.
Wie in den vergangenen 60 Jahren habe auch diese US-Rezession zu einem Rückschlag im Welthandel geführt. Diese negative Entwicklung werde wahrscheinlich dieses Jahr anhalten und zusätzlich zur niedrigen Binnennachfrage über einen Exportrückgang die europäische Wirtschaft belasten. Deutschland werde im Jahr 2009 eine über 10% geringere Auslandsnachfrage verkraften müssen und es stehe zu befürchten, dass trotz vergangener Arbeitsmarktreformen die Arbeitslosenrate 10% übersteige. Die Aussichten in den anderen Ländern der europäischen Währungsunion würden nicht optimistischer stimmen.
Vor diesem Hintergrund seien die Konjunkturpakete in Europa so wichtig. Ihre Kosten lägen bei ca. 1,5% des BIP der Währungsunion und würden damit geringer ausfallen als in den USA, wo die Regierung um die 6% des BIP fiskalpolitisch einsetze. Im Unterschied zu den USA sei in Europa das soziale Netz stärker ausgeprägt. In Krisenzeiten wirke sich das beispielsweise über Versicherungsleistungen für Arbeitslose automatisch stabilisierend aus. Laut EZB übersteige dieser Effekt die Wirkung der Konjunkturprogramme um das Doppelte, sodass die amerikanischen und europäischen Regierungen einen Einsatz in ähnlicher Größenordnung leisten würden. Europa sollte damit - wie die USA - nächstes Jahr den negativen Wachstumsraten ein Ende setzen. (Ausgabe 2. Quartal 2009) (24.04.2009/ac/a/m)
