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Fr, 17. April 2026, 12:18 Uhr

Irak und kein Ende


04.03.03 11:40
Sparkasse Bremen

Die Irak-Krise hält weiterhin die Börsen in Atem, so die Analysten der Sparkasse Bremen.

Chef-Waffeninspektor Blix habe Saddam Hussein in ungewöhnlich scharfer Form aufgefordert, die nicht erlaubten Mittelstreckenraketen zu zerstören. Somit rücke die Stunde der Wahrheit näher. Fakt sei, dass einige der irakischen Raketen weiter flögen als von den diversen UN-Resolutionen verlangt. Auf der anderen Seite habe Blix die Zusammenarbeit mit dem Irak gelobt. Das Zeitfenster für eine friedliche Lösung sei nicht mehr lange offen. Spätestens Mitte März werde im UN-Sicherheitsrat eine Entscheidung fallen müssen.

Bislang seien die Mehrheitsverhältnisse nicht einzuschätzen. Zudem sei es keinesfalls ausgemacht, dass China, Frankreich und Russland als ständige Mitglieder im Sicherheitsrat von ihrem Veto-Recht Gebrauch machen würden. Beobachter gingen davon aus, dass die USA und Großbritannien auch eine einfache Mehrheit als Legitimation für ein bewaffnetes Vorgehen gegen den Irak betrachten würden.

Vor dem Hintergrund der Nervosität an den Weltbörsen würden Hiobsbotschaften wie beim holländischen Handelskonzern Ahold zu einem Kursdesaster führen. In Anbetracht der falschen Bilanzierung bei der Ahold-Tochter US-Foodservice hätten sich die Aktionäre schnell an die anderen Skandale der jüngsten Zeit erinnert gefühlt. SAP sei aufgrund von Gerüchten über eine angebliche Gewinnwarnung unter Druck geraten.

Zusätzlich habe die mögliche Auflegung einer Zwangs-Wandelanleihe bei der HypoVereinsbank die Stimmung an den Märkten belastet. Bei dieser Wertpapierform habe der Anleihe-Gläubiger im Gegensatz zu einer "normalen" Wandelanleihe am Ende der Laufzeit kein Wahlrecht. Er bekomme sein Kapital in jedem Falle in Aktien zurück. Durch die Aufteilung des Gewinnes auf eine größere Anzahl von Aktien sinke der Gewinn je Aktie. Dieser Sachverhalt sei die Begründung für die sehr geringe Begeisterung der Börse für die Ankündigung derartiger Emissionsvorhaben.

Die derzeitige Börsensituation sei eine Herausforderung für den Anleger. Mit einem KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) von 10,5 (Erwartete Gewinne für 2003) sei der DAX eklatant unterbewertet. Wie die Börsen-Zeitung richtig ausgeführt habe, sei das "Desaster" in den Kursen bereits eingepreist. Die unsichere Erwartungskomponente in den Kursen dominiere somit sämtliche fundamentalen Faktoren. In diesem Umfeld liefere auch die technische Analyse keine eindeutigen Signale für den Beginn einer Bodenbildung. Der Abwärtstrend sei weiterhin intakt.

Weiterhin schwebe die Irak-Krise wie ein Damokles-Schwert über den Börsen-Teilnehmern. Auch die nächsten Börsenwochen würden von hohen Kursschwankungen gekennzeichnet sein. Anleger sollten sich jedoch langsam für die Zeit nach einer - wie auch immer gearteten - Lösung des Irak-Konfliktes positionieren. Anderenfalls könnten sie sehr schnell auf dem falschen Fuß erwischt werden. Das derzeitige Modell vieler Marktbeobachter berücksichtige nur die Risiken, nicht die Chancen der kommenden Monate.