Internationale Rentenmärkte im Fokus
26.01.09 15:25
Conrad Hinrich Donner Bank
Hamburg (aktiencheck.de AG) - Innerhalb des vergangenen Jahrzehnts mussten Anleger das Platzen von drei Spekulationsblasen erleben, so die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank im Kommentar zum Rentenmarkt.
Nach der Internetaktien-Blase zum Ende der 90er Jahre sei ab 2007 die - je nach Definition auch als Blase zu bezeichnende - überhitzte Situation bei verbrieften (Immobilienkredit-) Forderungen sowie in der Mitte des vergangenen Jahres die Rohstoffblase gefolgt. Jedes Mal sei einer Phase außergewöhnlicher Preissteigerungen eine deutliche Korrektur der Notierungen gefolgt. Auffällig dabei seien die immer kürzer werdenden Zeiträume bei gleichzeitig zunehmenden Ausmaßen der Kurssteigerungen und der anschließenden Korrekturen. Während jede der beiden Phasen im Falle der Aktienblase noch einige Jahre in Anspruch genommen habe, seien es bei den Rohstoffen gerade einmal einige Monate gewesen.
Die starken Kurssteigerungen im Segment der Staatsanleihen aufgrund der allgemeinen Verunsicherung der Marktteilnehmer in den vergangenen Wochen hätten sich vornehmlich innerhalb der letzten vier Monate des Jahres 2008 ergeben. In dieser Zeit sei die Rendite einer 10-jährigen Bundesanleihe von 4,72% auf ca. 3% gesunken. Sobald sich eine Beruhigung der Situation an den Kapitalmärkten abzeichne, dürfte sich der Fokus der Anleger auf die angesichts der expansiven Geld- und Fiskalpolitik stark gestiegenen Geldmengen und der daraus resultierenden Inflationsgefahren richten, was zu einer deutlich steigenden Rendite deutscher Staatsanleihen führen sollte. Dies ginge mit Kursverlusten auf bestehenden Positionen einher.
Da die Vergangenheit gezeigt habe, dass Marktbewegungen durchaus deutlich über ein fundamental gerechtfertigtes Niveau hinausgehen könnten, sei nicht auszuschließen, dass eine Kurskorrektur bei Staatsanleihen stärker ausfalle als allgemein angenommen. Allein ein Anstieg der Rendite einer 10-jährigen Bundesanleihe auf das Niveau von Mitte 2008 würde zu prozentual zweistelligen Verlusten im Bereich länger laufender Renten führen.
Die Analysten würden empfehlen, in dieser Situation die Gewinne von Bundesanleihen mit längeren Laufzeiten zu realisieren und - sofern die Anlageklasse gehalten werden solle - in Anleihen mit einer Restlaufzeit von maximal drei Jahren umzuschichten. In diesem Segment seien Kursverluste im Falle einer steigenden Marktrendite begrenzt. Angesichts der im Jahresverlauf zu erwartenden weiteren Zinssenkungen der Notenbanken seien bei sehr kurz laufenden Staatsanleihen auch zwischenzeitlich steigende Notierungen nicht auszuschließen.
Von der extremen Unsicherheit, die im Laufe der Finanzkrise nahezu alle Anlageklassen in Mitleidenschaft gezogen habe, seien auch Unternehmensanleihen betroffen gewesen. Während die Kurse von Staatsanleihen wie beschrieben neue Höchststände markiert hätten, hätten Unternehmensanleihen zwischenzeitlich erhebliche Kursverluste zu verzeichnen gehabt. Der Risikoaufschlag, den Unternehmen - im Vergleich zu Staaten - bei der Aufnahme von Fremdkapital aufgrund einer höheren Ausfallwahrscheinlichkeit zahlen müssten, sei im Laufe von 2008 auf Rekordniveaus gestiegen. Dabei hätten selbst die besten Emittenten im Segment der so genannten Investment Grade-Anleihen sehr hohe Renditeaufschläge zahlen müssen.
Diese Zinsdifferenz impliziere eine in der Historie noch nie gesehene Ausfallwahrscheinlichkeit im Segment von Unternehmensanleihen. Unter der Annahme einer Beruhigung der Situation an den Kapitalmärkten im Verlauf des Jahres 2009 dürften die zurzeit eingepreisten Risikoaufschläge bei vielen Unternehmen jedoch zu hoch sein. Anders gesagt: Auch in diesem Bereich dürften mittelfristig gute Chancen auf attraktive Kursgewinne vorhanden sein.
Die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank empfehlen risikobewussten Anlegern daher, erste Investitionen in diesem Segment vorzunehmen. Dabei sollte in erster Linie auf Anleihen von Emittenten mit einem hohen Cashflow, also einem hohen laufenden Nettozufluss liquider Mittel, sowie einem möglichst konjunkturunabhängigen Geschäftsmodell zurückgegriffen werden. Klassischerweise seien dies zum Beispiel Versorger oder Telekommunikationsunternehmen. Eine Alternative sei der Kauf von Unternehmensanleihefonds, die in ein breit gestreutes Portfolio von Anleihen verschiedener Emittenten investieren würden.
Auch der Markt für Pfandbriefe sei nach wie vor nicht zur Normalität zurückgekehrt. In den vergangenen Monaten hätten aufgrund einer völlig zum Erliegen gekommenen Nachfrage zeitweilig kaum Umsätze verzeichnet werden können, was in diesem Anlagesegment ebenfalls steigende Risikoprämien zur Folge gehabt habe. Anleger, die in dieser Phase ihre Bestände hätten verkaufen müssen oder wollen, hätten daher auf keine entsprechende Nachfrage getroffen. Die Folge seien teilweise relativ deutliche Kursverluste gewesen. Damit würden sich in diesem Bereich Möglichkeiten ergeben, attraktive Renditen mit einem risikoarmen Investment zu verbinden. Mit Blick auf die Möglichkeit mittelfristig steigender Marktrenditen sollten hier analog zu der Empfehlung der Analysten bei Staatsanleihen eher kürzere Laufzeiten bevorzugt werden.
Zu den Verlierern der Marktturbulenzen hätten auch die so genannten Absolute Return Fonds gehört, deren Zielsetzung eine marktunabhängige positive Rendite sei. Diese würden unter anderem in forderungsbesicherte Wertpapiere oder auch in komplexe derivative Strukturen investieren. Die Risiken dieser Strategien seien für außenstehende Investoren in der Regel relativ schwer zu bewerten. Einzelne Fonds hätten in den vergangenen Monaten deutliche Verluste zu verzeichnen gehabt, obwohl sie explizit als risikoarm bezeichnet worden seien. Daher empfehlen die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank Anlegern in diesem Segment, zunächst sehr vorsichtig zu agieren. Im Zweifel sei es ratsam, Bestände zu verkaufen und alternativ in transparente risikoarme Anlagen zu investieren. (Ausgabe 1. Quartal 2009) (26.01.2009/ac/a/m)
Nach der Internetaktien-Blase zum Ende der 90er Jahre sei ab 2007 die - je nach Definition auch als Blase zu bezeichnende - überhitzte Situation bei verbrieften (Immobilienkredit-) Forderungen sowie in der Mitte des vergangenen Jahres die Rohstoffblase gefolgt. Jedes Mal sei einer Phase außergewöhnlicher Preissteigerungen eine deutliche Korrektur der Notierungen gefolgt. Auffällig dabei seien die immer kürzer werdenden Zeiträume bei gleichzeitig zunehmenden Ausmaßen der Kurssteigerungen und der anschließenden Korrekturen. Während jede der beiden Phasen im Falle der Aktienblase noch einige Jahre in Anspruch genommen habe, seien es bei den Rohstoffen gerade einmal einige Monate gewesen.
Die starken Kurssteigerungen im Segment der Staatsanleihen aufgrund der allgemeinen Verunsicherung der Marktteilnehmer in den vergangenen Wochen hätten sich vornehmlich innerhalb der letzten vier Monate des Jahres 2008 ergeben. In dieser Zeit sei die Rendite einer 10-jährigen Bundesanleihe von 4,72% auf ca. 3% gesunken. Sobald sich eine Beruhigung der Situation an den Kapitalmärkten abzeichne, dürfte sich der Fokus der Anleger auf die angesichts der expansiven Geld- und Fiskalpolitik stark gestiegenen Geldmengen und der daraus resultierenden Inflationsgefahren richten, was zu einer deutlich steigenden Rendite deutscher Staatsanleihen führen sollte. Dies ginge mit Kursverlusten auf bestehenden Positionen einher.
Da die Vergangenheit gezeigt habe, dass Marktbewegungen durchaus deutlich über ein fundamental gerechtfertigtes Niveau hinausgehen könnten, sei nicht auszuschließen, dass eine Kurskorrektur bei Staatsanleihen stärker ausfalle als allgemein angenommen. Allein ein Anstieg der Rendite einer 10-jährigen Bundesanleihe auf das Niveau von Mitte 2008 würde zu prozentual zweistelligen Verlusten im Bereich länger laufender Renten führen.
Von der extremen Unsicherheit, die im Laufe der Finanzkrise nahezu alle Anlageklassen in Mitleidenschaft gezogen habe, seien auch Unternehmensanleihen betroffen gewesen. Während die Kurse von Staatsanleihen wie beschrieben neue Höchststände markiert hätten, hätten Unternehmensanleihen zwischenzeitlich erhebliche Kursverluste zu verzeichnen gehabt. Der Risikoaufschlag, den Unternehmen - im Vergleich zu Staaten - bei der Aufnahme von Fremdkapital aufgrund einer höheren Ausfallwahrscheinlichkeit zahlen müssten, sei im Laufe von 2008 auf Rekordniveaus gestiegen. Dabei hätten selbst die besten Emittenten im Segment der so genannten Investment Grade-Anleihen sehr hohe Renditeaufschläge zahlen müssen.
Diese Zinsdifferenz impliziere eine in der Historie noch nie gesehene Ausfallwahrscheinlichkeit im Segment von Unternehmensanleihen. Unter der Annahme einer Beruhigung der Situation an den Kapitalmärkten im Verlauf des Jahres 2009 dürften die zurzeit eingepreisten Risikoaufschläge bei vielen Unternehmen jedoch zu hoch sein. Anders gesagt: Auch in diesem Bereich dürften mittelfristig gute Chancen auf attraktive Kursgewinne vorhanden sein.
Die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank empfehlen risikobewussten Anlegern daher, erste Investitionen in diesem Segment vorzunehmen. Dabei sollte in erster Linie auf Anleihen von Emittenten mit einem hohen Cashflow, also einem hohen laufenden Nettozufluss liquider Mittel, sowie einem möglichst konjunkturunabhängigen Geschäftsmodell zurückgegriffen werden. Klassischerweise seien dies zum Beispiel Versorger oder Telekommunikationsunternehmen. Eine Alternative sei der Kauf von Unternehmensanleihefonds, die in ein breit gestreutes Portfolio von Anleihen verschiedener Emittenten investieren würden.
Auch der Markt für Pfandbriefe sei nach wie vor nicht zur Normalität zurückgekehrt. In den vergangenen Monaten hätten aufgrund einer völlig zum Erliegen gekommenen Nachfrage zeitweilig kaum Umsätze verzeichnet werden können, was in diesem Anlagesegment ebenfalls steigende Risikoprämien zur Folge gehabt habe. Anleger, die in dieser Phase ihre Bestände hätten verkaufen müssen oder wollen, hätten daher auf keine entsprechende Nachfrage getroffen. Die Folge seien teilweise relativ deutliche Kursverluste gewesen. Damit würden sich in diesem Bereich Möglichkeiten ergeben, attraktive Renditen mit einem risikoarmen Investment zu verbinden. Mit Blick auf die Möglichkeit mittelfristig steigender Marktrenditen sollten hier analog zu der Empfehlung der Analysten bei Staatsanleihen eher kürzere Laufzeiten bevorzugt werden.
Zu den Verlierern der Marktturbulenzen hätten auch die so genannten Absolute Return Fonds gehört, deren Zielsetzung eine marktunabhängige positive Rendite sei. Diese würden unter anderem in forderungsbesicherte Wertpapiere oder auch in komplexe derivative Strukturen investieren. Die Risiken dieser Strategien seien für außenstehende Investoren in der Regel relativ schwer zu bewerten. Einzelne Fonds hätten in den vergangenen Monaten deutliche Verluste zu verzeichnen gehabt, obwohl sie explizit als risikoarm bezeichnet worden seien. Daher empfehlen die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank Anlegern in diesem Segment, zunächst sehr vorsichtig zu agieren. Im Zweifel sei es ratsam, Bestände zu verkaufen und alternativ in transparente risikoarme Anlagen zu investieren. (Ausgabe 1. Quartal 2009) (26.01.2009/ac/a/m)
