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Fr, 17. April 2026, 16:59 Uhr

Internationale Rentenmärkte im Fokus


16.01.07 07:40
Conrad Hinrich Donner Bank

Hamburg (aktiencheck.de AG) - Der REXP erzielte im vergangenen Jahr das schlechteste Ergebnis seit 1999 (-1,94%), so die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank.

In den Jahren seit 2000 hätten sich Anleger über stattliche Renditen zwischen 4% und 9% freuen können. Auch ein Ausweichen auf rentierlichere Anlagen wie Unternehmensanleihen oder Schwellenländeranleihen habe 2006 angesichts stark gesunkener Renditeaufschläge bzw. negativer Währungseinflüsse - der überwiegende Anteil der Anleihen von Schwellenländern sei in USD notiert - nur geringe zusätzliche Erträge erbracht.

Ursächlich für diese verhaltene Entwicklung sei ein deutlicher Renditeanstieg im Jahresverlauf. Deutsche Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren hätten Anfang 2006 mit 3,31% p.a. rentiert. Bis zum Ende des Jahres sei die Rendite auf 3,95% p.a. angestiegen. Die entstandenen Kursverluste auf Anleihepositionen hätten durch den Kupon nur teilweise ausgeglichen werden können. Dabei seien die Kursverluste umso höher ausgefallen, je länger die Restlaufzeit der Anleihen gewesen sei.

Das Zinsniveau am kurzen Ende sei angesichts steigender Leitzinsen noch deutlicher von 2,49% p.a. auf 3,73% p.a. angestiegen. Die dadurch zwischenzeitlich auf Null gesunkene Differenz zwischen kurz- und langfristigen Zinsen habe sich infolge steigender 10-Jahres-Zinsen in den letzten Wochen des Jahres leicht auf 22 Basispunkte ausgeweitet. Das Risiko einer längerfristigen Zinsbindung werde damit aus Sicht des Anlegers wieder entlohnt.

Die europäische Zentralbank habe im Dezember ihren seit genau einem Jahr währenden Zinserhöhungszyklus fortgesetzt. Damit habe sich der Leitzins zum sechsten Mal in Folge um 25 Basispunkte auf aktuell 3,50% erhöht. Den Kommentaren der EZB zufolge sei ein Ende der Zinserhöhungen noch nicht absehbar. Nach wie vor sei das Niveau der Leitzinsen niedrig. Gleichzeitig sei das Geldmengen- und Kreditwachstum hoch, wodurch reichlich Liquidität vorhanden sei.

Angesichts dieser Konstellation sei "entschlossenes und rechtzeitiges Handeln geboten, um die Preisstabilität auf mittlere Sicht zu gewährleisten". Offensichtlich habe die Rhetorik der Notenbank Wirkung gezeigt. Der deutliche Anstieg der 10-Jahres-Zinsen im Laufe des Dezembers spiegele eine gestiegene Inflationsangst der Akteure an den Rentenmärkten wider.

Die Analysten würden die Gefahr einer stark ansteigenden Inflation im Euroland jedoch für gering halten. Die zuletzt gefallenen Energie- und Rohstoffpreise hätten bei den vorlaufenden Inflationsindikatoren für deutliche Korrekturen gesorgt. Zusätzlich hätten sich Importe in das Euro-Währungsgebiet durch den Anstieg des Euro gegenüber dem US-Dollar verbilligt. Die US-Währung habe im Laufe des Jahres von 1,18 auf 1,32 USD pro Euro korrigiert.

Unter der Annahme gleichbleibender absoluter USD-Preise seien die Einstandspreise für in USD gehandelte Importware - unter anderem Rohöl - allein durch diesen Währungseffekt um knapp 12% gefallen. Die wichtigsten der Produktion europäischer Unternehmen vorgelagerten Kostenkomponenten würden daher keinen inflationären Druck andeuten.

Die warnenden Äußerungen der EZB seien daher in erster Linie darauf ausgerichtet, die Inflationserwartungen gering zu halten. Aus Sicht der Notenbank berge das Jahr 2007 einige Unsicherheitsfaktoren, wie die Erhöhung der Mehrwertsteuer und steigende Abgaben zur Sozialversicherung in Deutschland. Hinzukommen würden zunehmend lauter werdende Signale aus Reihen der Arbeitnehmervertretungen, die auf steigende Lohnforderungen hindeuten würden. Da sich steigende Löhne in einem inflationären Umfeld am ehesten rechtfertigen lassen würden, sei es das Bestreben der EZB, unmissverständlich darzulegen, dass die Teuerungsrate auf niedrigem Niveau gehalten werde.

Nach Erachten der Analysten könne es aufgrund der genannten Sondereffekte im ersten Quartal zu einem leichten Anstieg der Preissteigerungen kommen. Die zuletzt leicht zunehmende Konsumlust der europäischen Verbraucher werde jedoch einen leichten Dämpfer erhalten und dadurch keinen weiteren Spielraum für steigende Verbraucherpreise zulassen. Die im laufenden Jahr erwartete leichte Abschwächung der konjunkturellen Dynamik dürfte ebenfalls dazu beitragen, dass der Preisanstieg moderat ausfallen werde.

Je nach Ausmaß der Preiseffekte zum Jahresbeginn würden die Analysten eine weitere Erhöhung der EZB-Leitzinsen im ersten Quartal für möglich halten. Danach dürfte der Zinserhöhungszyklus vorerst beendet sein. Sollte die konjunkturelle Abkühlung in den USA stärker als allgemein erwartet ausfallen und damit die US-Notenbank zu einem schnellen zinspolitischen Gegensteuern veranlassen, sei auch in Europa bereits im zweiten Halbjahr 2007 mit Zinssenkungsspekulationen zu rechnen.

Vor dem Hintergrund tendenziell sinkender Inflationserwartungen und gestiegener Renditeabstände zwischen kurz- und langlaufenden Anleihen würden längere Laufzeiten zunehmend wieder an Attraktivität gewinnen. Da die Analysten im Laufe des Jahres mit einer Ausweitung der Zinsdifferenz rechnen würden, die sich vor allem durch stark sinkende kurzfristige Zinsen ergeben sollte, würden sie zunächst jedoch weiterhin kurze Restlaufzeiten bevorzugen. Nach der erwarteten Spreadausweitung sollten die Langläufer wieder in den Fokus rücken.

Trotz historisch niedriger Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen sollten in diesem Segment begrenzt Positionen eingegangen werden. Die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank würden Anleihen mit sehr guter Bonität empfehlen. Unternehmensanleihen schlechterer Bonität sowie Anleihen von Schwellenländern würden hingegen die Gefahr von Kursverlusten bergen, sollte es zu einem stärker als erwartet ausfallenden Konjunkturabschwung kommen.

Positionen im Bereich der Wandelanleihen sollten aufgrund der positiven Erwartungen für die Aktienmärkte beibehalten werden. Auch ein möglicher Anstieg der zurzeit historisch niedrigen Aktienmarktvolatilitäten dürfte sich positiv auf diese Anlageklasse auswirken. (Ausgabe vom 1. Quartal 2007) (16.01.2007/ac/a/m)





 
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