Internationale Aktienmärkte im Fokus
11.10.06 10:30
Conrad Hinrich Donner Bank
Hamburg (aktiencheck.de AG) - In diesem Jahr haben sich die meisten Börsenweisheiten bewahrheitet, berichten die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank.
Die Korrektur an den weltweiten Aktienmärkten habe im Mai begonnen. Geringe Umsätze im Juni und Juli hätten die Sommerflaute charakterisiert. Die vereitelten Terroranschläge hätten nur zu vorübergehenden Kursverlusten an den europäischen Börsen geführt. Die negative Nachrichtenlage, zu der insbesondere der Atomstreit mit dem Iran und der Konflikt zwischen Israel und dem Libanon beigetragen hätten, sei von den Marktteilnehmern kaum wahrgenommen worden. Politische Börsen hätten offensichtlich kurze Beine - solange sich das fundamentale Umfeld nicht signifikant ändere.
Seit seinem Tiefstand im Juni habe der DAX um mehr als 11% zulegen können und weise damit eine Wertsteigerung von fast 10% seit Jahresbeginn auf. Insbesondere die Rohstoffpreise und die geopolitischen Themen hätten die Kurse in den vergangenen Monaten bewegt. Im August hätten Spekulationen den Ölpreis deutlich über 75 USD getrieben. Aufgrund bislang ausbleibender Hurrikanschäden und dem Entdecken neuer Ölvorkommen notiere das Barrel (159 Liter) derzeit jedoch wieder knapp unter 60 USD.
Anhand des DAX-Volatilitätsindexes (VDAX-NEW), der die erwartete Schwankungsbreite des Aktienindexes DAX wiedergebe, zeige sich die jüngste Erholung des Aktienmarktes am eindrucksvollsten. Der VDAX-NEW habe in der Spitze annähernd 28 Punkte erreicht, als der DAX im Zuge der im Mai einsetzenden Konsolidierung die Marke von 5.300 unterschritten habe. Derzeit liege die Volatilität wieder mehr als zehn Punkte niedriger, jedoch noch deutlich über den Werten zwischen 14 und 16 Punkten, die zu Jahresbeginn erreicht worden seien. Dieses zeige, dass trotz der Beruhigung noch eine deutliche Unsicherheit im Markt vorhanden sei.
Als Stimmungsindikator lasse sich die Put/Call Ratio heranziehen. Dieser Indikator messe das Verhältnis zwischen Verkaufs- und Kaufoptionen und werde von den Analysten als Kontraindikator eingesetzt. Der aktuelle Indexstand von über 1,2 weise auf einen hohen Grad an Pessimismus hin, da die gehandelten Verkaufsoptionen überwiegen würden.
Entscheidend für die weitere Entwicklung der Aktienmärkte sei die erwartete Gewinnentwicklung der Unternehmen. Obwohl die Halbjahreszahlen eher positiv überrascht hätten, könnten die anstehenden Quartalszahlen zu einer Eintrübung des Ausblicks führen.
Aufgrund der gedämpften Konjunkturerwartung in den USA und der nachlassenden Wirtschaftsdynamik im Euroraum hätten einige Analysten ihre Gewinnerwartungen für einzelne Unternehmen bereits nach unten revidiert. Der Gewinnrevisionstrend, der die Veränderung von Gewinnschätzungen aufzeige, sei infolgedessen zurückgegangen. Sofern es den Unternehmen nicht gelinge, die Produktionskosten zu senken, um sowohl die gestiegenen Rohstoffpreise als auch die rückläufige Nachfrage zu kompensieren, könnte sich dieses negativ auf die Aktienmärkte auswirken.
Damit liege der Fokus der Anleger auf den anstehenden Zahlen zum dritten Quartal und den von den Unternehmen im selben Zuge vermittelten Ausblicken. Solange es im Vorfeld der Berichtssaison für das dritte Quartal zu keinem deutlichen Anstieg entsprechender Gewinnwarnungen komme, sollte sich jedoch ein weiterhin freundliches Umfeld für Aktien ergeben. Dass die erwähnten Bedenken bereits in den Kursen enthalten sein könnten, zeige sich an den attraktiven Bewertungsniveaus.
Die Gewinnrendite des DAX, die das Verhältnis von durchschnittlichen Gewinnschätzungen zum aktuellen Aktienkurs ausdrücke, sei mit ca. 8,5% weiterhin auf relativ hohem Niveau, während 10-jährige Staatsanleihen signifikant unter 4% rentieren würden. Das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) der DAX-Unternehmen liege bei annähernd 12,8 (Durchschnitt 2005: 15,6) und die Dividendenrendite um 3,0%. Auch der S&P 500, einer der umfassendsten Aktienindices des amerikanischen Wertpapiermarktes, in dem 500 Aktienwerte enthalten seien, weise mit einem KGV von ca. 17,4 (Durchschnitt 2005: 18,9) und einer Dividendenrendite von 1,9% ein weiterhin niedriges Bewertungsniveau auf.
Die derzeitige Zurückhaltung der Anleger, die einerseits in der Put/Call Ratio und andererseits in dem geringen Handelsvolumen ihren Ausdruck finde, lasse sich maßgeblich auf das konjunkturelle Umfeld zurückführen. Aber auch die amerikanischen Immobilienpreise seien in diesem Kontext zu betrachten, da diese das Konsumverhalten in den USA mit beeinflussen würden.
In diesem Jahr habe sich die Einzelhandelsbranche am stabilsten entwickelt. Sie sei einer der drei von 18 Subindices des DJ STOXX 600 gewesen, die sich dem Abwärtstrend des zweiten Quartals hätten entziehen können. Im laufenden dritten Quartal sei der Einzelhandel auf den Rankinglisten ebenfalls ganz oben zu finden. Konsumgüter des täglichen Bedarfs seien ein klassischer, defensiver Sektor. Da die Nachfrage nach vielen Produkten aus diesem Sektor unelastisch sei, dürften diese Unternehmen von der derzeitigen Konzentration auf Qualitätswerte profitieren.
Besonders attraktiv bewertet sei der Gesundheitssektor. Mit einem KGV von annähernd 20 befinde sich die Bewertung auf historisch niedrigem Niveau. Dies sei insbesondere vor dem Hintergrund einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft bemerkenswert.
Aus technischer Sicht sei der jüngste Trend, der sich im Juli etabliert habe, intakt. Auch die Sentimentindikatoren würden diese Einschätzung unterstreichen. Aus diesen Gründen sollte nicht nur das attraktive Bewertungsniveau vereinzelter Branchen zum Aufbau gezielter Positionen genutzt, sondern gleichzeitig teilgesicherte Investments wie beispielsweise Discount- oder Bonuszertifikate eingesetzt werden. Dadurch entstehe zum einen ein partieller Schutz gegenüber fallenden Kursen, zum anderen könne von einer Fortsetzung des Trends profitiert werden. (Ausgabe 4. Quartal 2006) (11.10.2006/ac/a/m)
Die Korrektur an den weltweiten Aktienmärkten habe im Mai begonnen. Geringe Umsätze im Juni und Juli hätten die Sommerflaute charakterisiert. Die vereitelten Terroranschläge hätten nur zu vorübergehenden Kursverlusten an den europäischen Börsen geführt. Die negative Nachrichtenlage, zu der insbesondere der Atomstreit mit dem Iran und der Konflikt zwischen Israel und dem Libanon beigetragen hätten, sei von den Marktteilnehmern kaum wahrgenommen worden. Politische Börsen hätten offensichtlich kurze Beine - solange sich das fundamentale Umfeld nicht signifikant ändere.
Seit seinem Tiefstand im Juni habe der DAX um mehr als 11% zulegen können und weise damit eine Wertsteigerung von fast 10% seit Jahresbeginn auf. Insbesondere die Rohstoffpreise und die geopolitischen Themen hätten die Kurse in den vergangenen Monaten bewegt. Im August hätten Spekulationen den Ölpreis deutlich über 75 USD getrieben. Aufgrund bislang ausbleibender Hurrikanschäden und dem Entdecken neuer Ölvorkommen notiere das Barrel (159 Liter) derzeit jedoch wieder knapp unter 60 USD.
Anhand des DAX-Volatilitätsindexes (VDAX-NEW), der die erwartete Schwankungsbreite des Aktienindexes DAX wiedergebe, zeige sich die jüngste Erholung des Aktienmarktes am eindrucksvollsten. Der VDAX-NEW habe in der Spitze annähernd 28 Punkte erreicht, als der DAX im Zuge der im Mai einsetzenden Konsolidierung die Marke von 5.300 unterschritten habe. Derzeit liege die Volatilität wieder mehr als zehn Punkte niedriger, jedoch noch deutlich über den Werten zwischen 14 und 16 Punkten, die zu Jahresbeginn erreicht worden seien. Dieses zeige, dass trotz der Beruhigung noch eine deutliche Unsicherheit im Markt vorhanden sei.
Als Stimmungsindikator lasse sich die Put/Call Ratio heranziehen. Dieser Indikator messe das Verhältnis zwischen Verkaufs- und Kaufoptionen und werde von den Analysten als Kontraindikator eingesetzt. Der aktuelle Indexstand von über 1,2 weise auf einen hohen Grad an Pessimismus hin, da die gehandelten Verkaufsoptionen überwiegen würden.
Entscheidend für die weitere Entwicklung der Aktienmärkte sei die erwartete Gewinnentwicklung der Unternehmen. Obwohl die Halbjahreszahlen eher positiv überrascht hätten, könnten die anstehenden Quartalszahlen zu einer Eintrübung des Ausblicks führen.
Damit liege der Fokus der Anleger auf den anstehenden Zahlen zum dritten Quartal und den von den Unternehmen im selben Zuge vermittelten Ausblicken. Solange es im Vorfeld der Berichtssaison für das dritte Quartal zu keinem deutlichen Anstieg entsprechender Gewinnwarnungen komme, sollte sich jedoch ein weiterhin freundliches Umfeld für Aktien ergeben. Dass die erwähnten Bedenken bereits in den Kursen enthalten sein könnten, zeige sich an den attraktiven Bewertungsniveaus.
Die Gewinnrendite des DAX, die das Verhältnis von durchschnittlichen Gewinnschätzungen zum aktuellen Aktienkurs ausdrücke, sei mit ca. 8,5% weiterhin auf relativ hohem Niveau, während 10-jährige Staatsanleihen signifikant unter 4% rentieren würden. Das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) der DAX-Unternehmen liege bei annähernd 12,8 (Durchschnitt 2005: 15,6) und die Dividendenrendite um 3,0%. Auch der S&P 500, einer der umfassendsten Aktienindices des amerikanischen Wertpapiermarktes, in dem 500 Aktienwerte enthalten seien, weise mit einem KGV von ca. 17,4 (Durchschnitt 2005: 18,9) und einer Dividendenrendite von 1,9% ein weiterhin niedriges Bewertungsniveau auf.
Die derzeitige Zurückhaltung der Anleger, die einerseits in der Put/Call Ratio und andererseits in dem geringen Handelsvolumen ihren Ausdruck finde, lasse sich maßgeblich auf das konjunkturelle Umfeld zurückführen. Aber auch die amerikanischen Immobilienpreise seien in diesem Kontext zu betrachten, da diese das Konsumverhalten in den USA mit beeinflussen würden.
In diesem Jahr habe sich die Einzelhandelsbranche am stabilsten entwickelt. Sie sei einer der drei von 18 Subindices des DJ STOXX 600 gewesen, die sich dem Abwärtstrend des zweiten Quartals hätten entziehen können. Im laufenden dritten Quartal sei der Einzelhandel auf den Rankinglisten ebenfalls ganz oben zu finden. Konsumgüter des täglichen Bedarfs seien ein klassischer, defensiver Sektor. Da die Nachfrage nach vielen Produkten aus diesem Sektor unelastisch sei, dürften diese Unternehmen von der derzeitigen Konzentration auf Qualitätswerte profitieren.
Besonders attraktiv bewertet sei der Gesundheitssektor. Mit einem KGV von annähernd 20 befinde sich die Bewertung auf historisch niedrigem Niveau. Dies sei insbesondere vor dem Hintergrund einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft bemerkenswert.
Aus technischer Sicht sei der jüngste Trend, der sich im Juli etabliert habe, intakt. Auch die Sentimentindikatoren würden diese Einschätzung unterstreichen. Aus diesen Gründen sollte nicht nur das attraktive Bewertungsniveau vereinzelter Branchen zum Aufbau gezielter Positionen genutzt, sondern gleichzeitig teilgesicherte Investments wie beispielsweise Discount- oder Bonuszertifikate eingesetzt werden. Dadurch entstehe zum einen ein partieller Schutz gegenüber fallenden Kursen, zum anderen könne von einer Fortsetzung des Trends profitiert werden. (Ausgabe 4. Quartal 2006) (11.10.2006/ac/a/m)
