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Sa, 18. April 2026, 4:21 Uhr

Globale Wirtschaft atmet durch


11.04.12 11:01
Bank Sarasin & Cie AG

Zürich (www.aktiencheck.de) - Der aktuelle Research-Ausblick Global View der Bank Sarasin prognostiziert, dass nach den USA auch Euroland im zweiten Quartal 2012 auf den Wachstumspfad zurückkehren wird.

Das Wachstum werde in den nächsten Monaten an Dynamik gewinnen und sich bis ins dritte Quartal 2012 fortsetzen. Neben der Lockerung der Kreditklemme und der abflauenden Euroschuldenkrise sei es vor allem die internationale Konjunktur, die den entscheidenden Wachstumsimpuls gebe. Der Rückgang der Risiken habe eine starke Rally an den Finanzmärkten ausgelöst. Es sei auch weiter mit einem positiven, wenn auch langsamerem Anstieg an den Aktienmärkten zu rechnen. Aktien dürften sich damit auch im zweiten Quartal besser entwickeln als Anleihen. Das Aktienmarktszenario zeige Potenzial für Euroland und für die Schwellenländer. Innerhalb von Euroland profitiere besonders der deutsche Aktienmarkt. Der defensive Schweizer Aktienmarkt dürfte unterdurchschnittlich abschneiden.

Mit der Trendwende in den globalen Konjunkturindikatoren und mit der großzügigen Liquiditätsversorgung der Zentralbanken hätten sich die Abwärtsrisiken für die Weltwirtschaft sowie für die Finanzmärkte drastisch reduziert. Die Bank Sarasin gehe davon aus, dass sich das Wachstum in den nächsten Monaten beschleunigen und sich bis ins dritte Quartal 2012 fortsetzen werde. Euroland zeige weiter starke Unterschiede zwischen den robusten Kernländern und der Peripherie. Doch die Euroschuldenkrise habe den Zenit überschritten. Die Bank Sarasin erwarte, dass die Wirtschaft Eurolands ab dem zweiten Quartal 2012 auf den Wachstumspfad zurückkehre. Nicht zuletzt kämen wichtige Wachstumsimpulse von der internationalen Konjunktur: In den USA und den Schwellenländern befinde sich das Wirtschaftsmomentum wieder auf einem Aufwärtstrend. Der sich abzeichnende Aufschwung reiße Europa mit der üblichen Verzögerung von ein bis zwei Quartalen mit.

Dr. Jan Amrit Poser, Leiter Research und Chefökonom der Bank Sarasin: "Wir erwarten, dass die Wirtschaft Eurolands ab dem zweiten Quartal 2012 auf den Wachstumspfad zurückkehren wird. Insbesondere die US-Arbeitslosenquote befindet sich auf einem rasanten Abwärtstrend, was sich in einer kräftigen Erholung der US-Konsumentenstimmung niederschlägt und sich zu einem internationalen Wachstumstreiber entwickeln wird."

Philipp E. Bärtschi, Chefstratege der Bank Sarasin: "Die globalen Frühindikatoren haben sich in den letzten Monaten erfreulich entwickelt und mehrheitlich positiv überrascht. Der steile Kursanstieg hat zu einem steigenden Risikoappetit unter Anlegern geführt. Während bereits viele Hedge Fonds ihr Aktienexposure erhöht haben, scheinen institutionelle wie auch private Anleger dem Aufschwung trotz positiver Stimmung aber noch nicht zu trauen."

Die Zentralbanken der Industrieländer hätten im ersten Quartal 2012 ihre Geldpolitik weiter gelockert, obwohl die Wirtschaftsdaten im ersten Quartal größtenteils besser als erwartet ausgefallen seien. Eine weitere Aufhellung werde die Zentralbanken nicht mehr unbeeindruckt lassen: Es dürfe erwartet werden, dass sie im zweiten Quartal einen Marschhalt einlegen und ihre Geldmenge nicht mehr weiter ausweiten würden. Mit einer Abkühlung der Konjunktur gegen Ende Jahr würden innerhalb der Zentralbanken dann wieder neue Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur diskutiert werden. Ein drittes US-Ankaufprogramm für Anleihen könnte dann wieder zum dominierenden Thema am Kapitalmarkt werden.

Mit der Entspannung an den Geld- und Kapitalmärkten werde sich der Aufwärtstrend des Euros in den nächsten Quartalen fortsetzen. Ein weiterer Grund, warum der Euro steigen werde, sei seine relative Attraktivität gegenüber dem USD. Denn die Realzinsen in den USA würden aufgrund des tiefen Zinsniveaus und der höheren Inflationsrate eine Investition in den USD unattraktiv machen. Im sich anbahnenden Aufschwung sollten sich sichere Häfen wie der JPY oder der CHF wieder abschwächen. Optimistisch sei die Bank Sarasin für zyklische Währungen, wie die Schwedische Krone oder das Britische Pfund. Mit zunehmender Erholung des Wirtschaftsvertrauens sollte sich eine Anlage in SEK/CHF als renditeträchtigste Handelsstrategie erweisen.

Der große Renditetreiber der Staatsanleihen werde die globale Konjunktur sein. Doch während in den USA bereits für das dritten Quartal 2012 die ersten Anzeichen einer Wachstumsabkühlung zu erkennen sein würden, sollte die europäische Wirtschaft zu diesem Zeitpunkt noch immer robust wachsen. Das spreche für einen relativ stärkeren Zinsanstieg von deutschen und Schweizer Zinsen im dritten Quartal. Die Renditen der großen Peripherie-Staaten Italien und Spanien dürften hingegen weiter zurückgehen und die Schwellenländer würden sich dem Trend zu steigenden Renditen nicht ganz entziehen können.

Trotzdem sei in den Schwellenländern im Vergleich zu den Industriestaaten eine stärkere Kursentwicklung der Staatsanleihen zu erwarten. Zu beobachten bleibe auch die Entwicklung am Markt für Unternehmensanleihen, welcher im ersten Quartal eine bemerkenswerte Erholung hingelegt habe. Der Anreiz einer attraktiven Verzinsung von Unternehmens- gegenüber Staatsanleihen bestehe weiterhin. Hinzu komme die Chance auf einen Kursgewinn bei sinkenden Risikoprämien, welche bei stabilen Makro- und Fundamentaldaten durchaus realistisch sei.

Die Aktienmarktrally habe im ersten Quartal die bestehenden positiven Erwartungen übertroffen. Eine Umschichtung von Anleihen in Aktien könnte dem Aktienmarkt weiteren Auftrieb verleihen. Da erst im dritten Quartal 2012 eine Trendwende in den Konjunkturindikatoren zu erwarten sei, dürfte die Rally anhalten, wenn auch nicht mit mehr mit überdurchschnittlichen Renditen zu rechnen sei. Ein freundliches Aktienmarktszenario zeige Aufholpotenzial für Euroland und für die Schwellenländer. Innerhalb von Euroland liege der Fokus weiterhin auf dem deutschen Aktienmarkt, welcher von positiven fundamentalen Trends profitiere. Unterdurchschnittlich dürfte der defensive Schweizer Aktenmarkt abschneiden. Die Anlegerstimmung für US-Aktien erscheine ebenfalls zu optimistisch.

Einer der wichtigsten Stimmungsindikatoren für die Aktienmärkte sei der ISM-Index (Institute of Supply Management), der Aufschlüsse über die Aktivitäten in der Wirtschaft gebe. Der ISM-Index bewege sich historisch zwischen einem Niveau von 30 und 70, wobei ein Indexstand von unter 45 eine Rezession anzeige und ein Indexstand von über 60 einen wirtschaftlichen Boom. Der jetzige Indexstand des ISM liege bei über 50 mit der Tendenz weiter zu steigen.

Entsprechend überdurchschnittliches Potenzial sehe die Bank Sarasin in den Sektoren Informationstechnologie und zyklischer Konsum. Aufgrund fallender Risiken im Finanzsektor und des positiven Überraschungspotenzials bestünden ebenfalls überdurchschnittliche Renditeaussichten bei Versicherungsaktien. Von Investitionen in den Sektor Energie rate die Bank Sarasin aufgrund der steigenden Ölpreise eher ab. Roh- und Grundstoffe würden hingegen seit Anfang März aufgrund der verbesserten Gewinnrevisionen, Zyklik und den positiven Erwartungen für Chemie in den nächsten Monaten attraktiv erscheinen. (11.04.2012/ac/a/m)





 
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