Finanzmärkte werden die Politiker testen
04.09.12 09:52
Bank Sarasin & Cie AG
Zürich (www.aktiencheck.de) - Mit ihrem Versprechen, alles zu tun, um den Euro zu bewahren, haben Europas Wirtschaftspolitiker große Erwartungen geschürt: Mögliche Maßnahmen sind bereits in den Finanzmärkten eskomptiert, so Dr. Jan Amrit Poser, Chefökonom der Bank Sarasin & Cie AG.
Die Bank Sarasin befürchtet, dass nun ein Test der Entschlossenheit der Politiker bevorsteht, der sie zum Handeln zwingen wird. Eine Reihe von Ereignissen könnte uns in den nächsten Wochen einen heißen Herbst bescheren.
Den Start mache die EZB, die diese Woche ihre Vorschläge zur Gewährleistung der Finanzstabilität in Euroland darlege. Hatten in den letzten Wochen Gerüchte um Zinsaufschlagsziele für Peripherie- Anleihen die Stimmung an den Finanzmärkten gehoben, befürchtet die Bank Sarasin nun, dass Ernüchterung folgt. Zinsziele wären weder konsensfähig noch zielführend. Für sporadische Interventionen in kurzfristigen Anleihen von Krisenstaaten werde sie die Bedingung stellen, dass sich das jeweilige Land zuvor unter die Beobachtung des Rettungsschirms ESM stellen müsse. Der Ball liege also wieder bei Spanien und Italien.
Ob die Verwendung des Rettungsschirms ESM zur Stützung von Banken und Staaten überhaupt konform mit dem deutschen Grundgesetz sei, darüber entscheide am 12. September das deutsche Bundesverfassungsgericht. Die Bank Sarasin erwartet, dass das Bundesverfassungsgericht das Gesetzespaket zwar durchwinken wird, allerdings steht zu befürchten, dass das Gericht auf einen engeren Einbezug des Parlaments pochen und weitergehende Rettungsmaßnahmen von einer Grundgesetzänderung und einem entsprechenden Referendum abhängig machen wird. Dadurch könnte sich die Eurorettung als schwieriger erweisen als bisher gedacht.
Ebenfalls am 12. September würden die Niederlande ein neues Parlament wählen. Gemäß aktuellen Umfragen liege die Sozialistische Partei (SP) mit ihrem populistischen Anti-Austeritätskurs vorne. Wahrscheinlich sei jedoch ein Patt und eine langwierige Regierungsbildung. Die Ambivalenz der Niederländer gegenüber Europa werde steigen und damit die Unsicherheit über die Entschlossenheit der Euro-Politiker erhöhen.
Zudem werde die Troika aus EZB, EU und IWF ihr Urteil über Griechenland fällen. Es sei schon jetzt klar, dass Griechenland seine Spar- und Privatisierungsziele verfehlt habe. Die deutsche Bundeskanzlerin habe jedoch schon ausgeschlossen, dass ein drittes Hilfspaket geschnürt werde. Griechenland drohe eine Cash-Klemme. Ob es gelinge, diese durch Notfinanzspritzen (ELA) der griechischen Zentralbank zu überbrücken, sei fraglich.
Die Hoffnung sei, dass der Rettungsplan der EZB bei den Regierungen von Spanien und Italien so viel Anklang finde, dass sich diese am Treffen der Euro-Gruppe vom 14. September unter den Schutz des Rettungsschirms stellen und dadurch die Gefahr einer Ansteckung von Seiten Griechenlands reduzieren würden. Die Analysten würden jedoch nicht denken, dass sich diese beiden Länder ohne Not unter den Schirm begeben würden.
Die Finanzmarktschwankungen würden unweigerlich zunehmen: Neben den schon erwähnten Terminen brauche Portugal bald ein zweites Hilfspaket, würden die Details über die geplante europäische Bankenunion veröffentlicht und Italien und Spanien würden viel Kapital aufnehmen müssen. Angesichts dieser Meilensteine, stehe ein heißer Herbst an den Finanzmärkten bevor. (04.09.2012/ac/a/m)
Die Bank Sarasin befürchtet, dass nun ein Test der Entschlossenheit der Politiker bevorsteht, der sie zum Handeln zwingen wird. Eine Reihe von Ereignissen könnte uns in den nächsten Wochen einen heißen Herbst bescheren.
Den Start mache die EZB, die diese Woche ihre Vorschläge zur Gewährleistung der Finanzstabilität in Euroland darlege. Hatten in den letzten Wochen Gerüchte um Zinsaufschlagsziele für Peripherie- Anleihen die Stimmung an den Finanzmärkten gehoben, befürchtet die Bank Sarasin nun, dass Ernüchterung folgt. Zinsziele wären weder konsensfähig noch zielführend. Für sporadische Interventionen in kurzfristigen Anleihen von Krisenstaaten werde sie die Bedingung stellen, dass sich das jeweilige Land zuvor unter die Beobachtung des Rettungsschirms ESM stellen müsse. Der Ball liege also wieder bei Spanien und Italien.
Ebenfalls am 12. September würden die Niederlande ein neues Parlament wählen. Gemäß aktuellen Umfragen liege die Sozialistische Partei (SP) mit ihrem populistischen Anti-Austeritätskurs vorne. Wahrscheinlich sei jedoch ein Patt und eine langwierige Regierungsbildung. Die Ambivalenz der Niederländer gegenüber Europa werde steigen und damit die Unsicherheit über die Entschlossenheit der Euro-Politiker erhöhen.
Zudem werde die Troika aus EZB, EU und IWF ihr Urteil über Griechenland fällen. Es sei schon jetzt klar, dass Griechenland seine Spar- und Privatisierungsziele verfehlt habe. Die deutsche Bundeskanzlerin habe jedoch schon ausgeschlossen, dass ein drittes Hilfspaket geschnürt werde. Griechenland drohe eine Cash-Klemme. Ob es gelinge, diese durch Notfinanzspritzen (ELA) der griechischen Zentralbank zu überbrücken, sei fraglich.
Die Hoffnung sei, dass der Rettungsplan der EZB bei den Regierungen von Spanien und Italien so viel Anklang finde, dass sich diese am Treffen der Euro-Gruppe vom 14. September unter den Schutz des Rettungsschirms stellen und dadurch die Gefahr einer Ansteckung von Seiten Griechenlands reduzieren würden. Die Analysten würden jedoch nicht denken, dass sich diese beiden Länder ohne Not unter den Schirm begeben würden.
Die Finanzmarktschwankungen würden unweigerlich zunehmen: Neben den schon erwähnten Terminen brauche Portugal bald ein zweites Hilfspaket, würden die Details über die geplante europäische Bankenunion veröffentlicht und Italien und Spanien würden viel Kapital aufnehmen müssen. Angesichts dieser Meilensteine, stehe ein heißer Herbst an den Finanzmärkten bevor. (04.09.2012/ac/a/m)
