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Fr, 17. April 2026, 21:25 Uhr

Euroland Wirtschaftswachstum gering


11.06.03 11:11
Sparkasse Essen

Die Mitte Mai veröffentlichten Wachstumszahlen von -0,2% für das deutsche Bruttoinlandsprodukt im 1. Quartal 2003 machen deutlich, dass 2003 eher ein konjunkturell verlorenes Jahr darstellt, berichten die Analysten der Sparkasse Essen.

Auch im Gesamtjahr dürfte das Wachstum über 0,2 bis 0,3% nicht hinauskommen. Daran werde auch die Agenda 2010 nicht viel ändern, sondern im Gegenteil in den ersten Jahren erst einmal die Wachstumsraten durch den geringeren privaten Konsum weiter schmälern, bevor sich dann die stimulierenden Impulse durch die geringeren Arbeitskosten auswirken könnten. Die Agenda stelle ökonomisch einen ersten Schritt in die richtige Richtung dar, bewirke aber kein Feuerwerk. Anzumahnen bleibe jetzt vor allem eine nachvollziehbare Strategie als Planungsgrundlage für die nächsten Jahre. Im Zusammenhang mit dem schwachen Wirtschaftswachstum sei auch die Deflationsdiskussion wieder angeheizt worden. Während für die Eurozone die Gefahr einer Deflation weniger wahrscheinlich sei, schließe momentan der EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing ein kurzfristiges Unterschreiten der Nullgrenze für Deutschland nicht mehr aus.

Unter Deflation verstehe der Weltwährungsfonds einen anhaltenden Rückgang eines breit angelegten Preisindex, in der Regel der Konsumentenpreise. Ein Preisrückgang über ein oder zwei Quartale reiche dafür aber nicht aus. Dennoch werde eine mögliche Deflation von den Notenbanken mit Argusaugen beobachtet, da das Beispiel Japan die Probleme einer langjährigen Deflationsspirale lehre: sinkende Preise, sinkende Unternehmensgewinne, sinkende Beschäftigung und weiter rückläufige Konsumnachfrage. Einmal in Gang gekommen sei ein derartiger Teufelskreis nur noch schwer zu bekämpfen.

Dennoch lasse sich der Fall Japan nicht 1:1 auf die USA oder Europa übertragen, da in Japan neben einer Aktien- auch eine Immobilienblase geplatzt sei, die Notenbank erst sehr spät reagiert habe und auch das Bankensystem seit Jahren finanziell stark angeschlagen sei. Man sehe insbesondere in den USA die Bereitschaft, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die Deflation zu verhindern. Für Euroland und speziell für Deutschland erwarte man weiterhin eine Welt der kleinen Zahlen mit geringem Wirtschaftswachstum, niedrigen Inflationszahlen und niedrigem Zinsniveau.

Da mittlerweile auch die "Falken" (hartnäckigen Inflationsbekämpfer) in der EZB wie z.B. der Chefvolkswirt Issing von deflatorischen Tendenzen sprechen würden, habe es neben dem starken Euro einen weiteren Grund gegeben, die Leitzinsen um 0,5% auf das historische Tief von 2,00% zu senken und so die deutliche Zinsdifferenz zu den USA etwas einzuschränken. Aber auch dieser Zinsschritt müsse noch nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten. In den USA habe die US-Notenbank FED bereits im Vorfeld wesentlich beherzter die Leitzinsen gesenkt.

Zudem halte sich die FED weitere, auch unkonventionelle Maßnahmen offen, um eine potenziell drohende Deflation zu bekämpfen. Neben einem weiteren Zinsschritt und der expansiven Fiskalpolitik kämen die Beeinflussung der Renditestrukturkurve durch gezielte Anleiherückkäufe und das Setzen eines Inflationsziels in Frage. Als eher letztes Mittel gelte das Anwerfen der Notenpresse. Im Geldmarktbereich müsse noch eine Zeitlang mit äußerst niedrigen und tendenziell fallenden Zinsen gerechnet werden.





 
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