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Fr, 17. April 2026, 21:06 Uhr

Euro-Franken-Untergrenze wird halten


20.09.11 12:45
Bank Sarasin & Cie AG

Basel (aktiencheck.de AG) - Interventionen im Devisenmarkt sind angesichts der Dramatik der Situation richtig und glaubwürdig, so Jan Amrit Poser, Chefökonom bei der Bank Sarasin & Cie AG.

Die Überbewertung des Schweizer Frankens von circa 35 Prozent belaste die Schweizer Wirtschaft enorm. Wenn die Nationalbank in ihrer am 15. September veröffentlichten geldpolitischen Lagebeurteilung warne, dass das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte 2011 "zum Stillstand kommt", sei das in der Ökonomensprache eine Rezessionswarnung. Diese Sorge sei begründet, weil die Schweizer Exporte von zwei Seiten unter Druck gesetzt würden: von der weltweiten Wachstumsabschwächung und der Wechselkursentwicklung. Es komme hinzu, dass die Wechselkursschwankungen einige in der Schweiz beheimatete Unternehmen über eine Umsiedlung ins Ausland nachdenken lasse. Es habe etwas getan werden müssen.

Viele Kommentatoren würden befürchten, die Schweiz könne den Wechselkurs angesichts des täglichen Devisenmarktumsatzes von 4.000 Milliarden US-Dollar nicht verteidigen. Dieser Vergleich sei jedoch irreführend. Es komme nicht darauf an, wie häufig gehandelt, sondern ob dafür Kapital eingesetzt werde. Tatsächlich sei eine Zentralbank immer im Vorteil, wenn sie gegen die Stärke der eigenen Währung interveniere. Sie könne unlimitiert Geld drucken; den Spekulanten gehe irgendwann das Kapital aus. Hinzukomme, dass sie fundamental auf der richtigen Seite stehe. Der Franken sei deutlich überbewertet; die aufgekauften Euro würden über die Jahre im Wert steigen.

Jede Geldmengenvermehrung schüre Ängste vor einer Inflation. Solange jedoch Rezessionssorgen und Schuldenkrisen anhalten würden, werde der Franken stark bleiben und daher weiteren Deflationsdruck schüren. Doch selbst wenn der nächste Aufschwung einsetze, bestehe kein Grund für Inflationssorgen. Die SNB habe in den letzten 24 Monaten bewiesen, dass sie der Geldmengenausweitung durch eigene Schuldverschreibungen (SNB-Bills) entgegenwirken könne. Zusätzliche Glaubwürdigkeit schöpfe sie dadurch, dass sie auf ihren Euro-Anlagen einen höheren Zins erziele als sie in der Schweiz zahlen müsse, um die Liquidität abzuschöpfen. Gegebenenfalls könnte sie die Mindestreservesätze der Banken anheben und damit die Geldmenge reduzieren. Inflationsängste seien maßlos übertrieben.

Wenn die SNB die Untergrenze verteidigen wolle, müsse sie allerdings das Risiko in Kauf nehmen, sehr viele Euros kaufen zu müssen. Wenn sich die Eurokrise weiter zuspitze, sei damit zu rechnen, dass verunsicherte Privatanleger aus dem Euroraum bereit seien, zu jedem Preis Franken zu kaufen. Das SNB-Kapital würde dann im Verhältnis zur Bilanzsumme weiter schrumpfen. Auch wenn die Nationalbank nicht insolvent werden könne, kratze ein geringes Eigenkapital doch am Vertrauen. Die Bank Sarasin gehe davon aus, dass sich das SNB-Direktorium den Rückhalt des Schweizer Bundesrates für eine Aufstockung des Kapitals gesichert habe. Die geschlossene Haltung der politischen Behörden sei daher ein zentraler Erfolgsfaktor für die Interventionen. (20.09.2011/ac/a/m)





 
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