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Fr, 17. April 2026, 15:24 Uhr

Dt. Wirtschaft Talsohle durchschnitten


25.11.02 10:44
Sparkasse Bremen

Die deutsche Wirtschaft hat die konjunkturelle Talsohle durchschritten, so sie Analysten der Sparkasse Bremen.

Von Aufschwung oder Aufbruchstimmung sei aber nichts zu spüren. Nach wie vor sei das Wachstum zu gering, um den Abbau von Arbeitsplätzen zu verhindern, da das Wachstum geringer sei als der Produktivitätszuwachs. Das Statistische Bundesamt habe für das 3. Quartal 2002 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in konstanten Preisen von 0,3% gegenüber dem Vorquartal bekannt gegeben. Der Wert für das 2. Quartal sei auf 0,2% revidiert worden.

Der Private Konsum sei zu Beginn des Jahres 2002 aufgrund der vermuteten Preiserhöhungen durch die Euro-Bargeldeinführung eingebrochen. Im 3. Quartal hätte er den größten Beitrag zum verhaltenen Wachstum leisten können. Der Staatskonsum hätte aufgrund der leeren Kassen nur einen minimalen Wachstumsbeitrag geliefert. Bedingt durch die schlechte Stimmung seien die Investitionen zum achten Mal in Folge rückläufig gewesen. Beim Außenhandel sei eine leichte Belebung feststellbar. Allerdings seien die Importe im gleichen Maß wie die Exporte gewachsen, so dass der Außenbeitrag keinen Wachstumsimpuls hätte liefern können.

Eine Fortsetzung des erreichten, bescheidenen Wachstums erscheine derzeit unwahrscheinlich. Zum einen sei im 4. Quartal in den USA eine leichte Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität zu erwarten. Zum anderen würden die Beschlüsse der Bundesregierung (Erhöhung von Steuern und Abgaben zum Jahreswechsel) das Wachstum bremsen. Die Gehaltsabrechnung für Januar 2003 dürfte bei vielen Bundesbürgern den gleichen Schock auslösen wie der Anblick der Gemüsepreise nach der Euro-Bargeldeinführung. Die Folge werde eine erneute, deutliche Zurückhaltung beim Privaten Konsum sein.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (sog. „Fünf Wirtschaftsweise“) würde diese pessimistische Einschätzung bestätigen. In seinem jüngst vorgelegten Jahresgutachten würde der Rat ein BIP-Wachstum von 0,2% für 2002 und 1,0% für 2003 erwarten. Damit würden die Sachverständigen unter den Prognosewerten liegen, die die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten genannt hätten.

Der Sachverständigenrat würde eine Erholung mit „angezogener Handbremse“ in Folge einer allgemeinen Erholung der Weltwirtschaft erwarten: “Impulse kommen hauptsächlich vom Außenhandel, die Binnennachfrage ist vergleichsweise kraftlos.“ Somit bleibe die deutsche Wirtschaft in Sachen Wachstum weiterhin Schlusslicht in Europa und könne an die Werte der letzten Jahre nicht anknüpfen. Zusätzlich werde die Arbeitslosigkeit weiter steigen. Die Vorschläge des sog. „Hartz-Konzepts“ halte der Rat für nicht ausreichend.