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Fr, 17. April 2026, 21:45 Uhr

Dt. Konjunktur langsamere Erholung


02.09.02 16:49
Sparkasse Bremen

Die deutsche Konjunktur erholt sich langsamer als zu Beginn des Jahres erwartet, so die Analysten der Sparkasse Bremen.

Dies lasse sich aus den jüngsten Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamts entnehmen. Neben der Wachstumsrate für das 2. Quartal 2002 habe das Amt auch die Ergebnisse der Revision für die zurückliegenden Daten seit 1998 bekannt gegeben. Die Frage, ob sich die deutsche Wirtschaft im Aufschwung befinde, lasse sich anhand der Daten nicht eindeutig beantworten. Im 2. Quartal sei das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) in konstanten Preisen gegenüber dem Vorquartal um 0,3% gewachsen. Dies habe unter der Prognose des Bundeswirtschaftsministeriums von 0,5% gelegen.

Beim Vergleich mit dem 2. Quartal des Vorjahres ergebe sich ein Wachstum von 0,5%. Anhand dieser Betrachtung scheine die Rezession überwunden und es lasse sich von einem Aufschwung sprechen. Beim Vergleich des 1. Halbjahrs 2002 mit dem Zeitraum von Januar bis Juni 2001 ergebe sich hingegen ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4%. Zum ersten Mal seit einem Jahr sei die Binnennachfrage gestiegen, was im wesentlichen auf eine Steigerung des Privaten Konsums zurückzuführen sei. Die Investitionen seien rückläufig gewesen, wobei sich die Bauinvestitionen erneut als größter Bremsklotz erwiesen hätten. Der Anstieg der Exporte sei durch die parallele Zunahme der Importe kompensiert worden.

Problematisch sei weiterhin, dass das Wachstum unter dem Zuwachs der Produktivität liege. Die Konsequenz sei, dass die Arbeit von immer weniger Beschäftigten erledigt werden könne, was zu steigender Arbeitslosigkeit führe. Ein Fragezeichen hinter der weiteren Entwicklung der Konjunktur stelle die Hochwasserkatastrophe in Ostdeutschland dar. Die Schäden würden von der EU-Kommission auf 15 Mrd. Euro geschätzt. Für einzelne Unternehmen (z.B. Baufirmen, Baumärkte) könne der Wiederaufbau deutliche Impulse bringen. Ob die gesamte deutsche Wirtschaft hiervon profitieren könne, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Die positive Stimmung in Sachen Konjunktur sei verloren gegangen. Der ifo-Geschäftsklimaindex sei zum dritten Mal in Folge gesunken. Somit deute die Stimmung wieder auf eine Rezession hin. Trösten könne hier nur die empirische Erkenntnis, dass die Stimmung schneller wechsele als die tatsächliche Lage.

Die Talsohle sei durchschritten - das Tempo der wirtschaftlichen Erholung enttäusche jedoch und sorge für schlechte Stimmung. Die Analysten der Sparkasse Bremen erwarten deshalb für Deutschland nur noch ein Wachstum von etwa ½% in 2002. Dies dürfte zu wenig sein, um den Anstieg der Arbeitslosigkeit zu stoppen oder den Aktienkursen deutliche Impulse zu liefern.