Suchen
Login
Anzeige:
Fr, 17. April 2026, 8:21 Uhr

Deutsche Konjunktur dümpelt


20.01.03 17:08
Sparkasse Bremen

Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die deutsche Wirtschaft im Jahr 2002 nur knapp einer Rezession entgangen, so die Analysten der Sparkasse Bremen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in konstanten Preisen sei lediglich um 0,2% gestiegen. Dies sei das geringste Wachstum seit der Rezession des Jahres 1993. Das minimale Wachstum sei allein auf den Außenhandel zurückzuführen. Die Exporte hätten 2002 um 2,9% zugelegt, während die Importe um 1,3% gesunken seien. Durch diese Ausweitung der Exporte werde die deutsche Leistungsbilanz einen Rekordüberschuss ausweisen. Der Rückgang der Importe weise bereits auf das große Problem Deutschlands hin: Die Binnennachfrage sei erneut gesunken. Ohne den Außenhandel wäre das BIP um 1,3% geschrumpft.

Damit bestätige sich erneut, dass Deutschland in hohem Maße vom Export und damit von der Entwicklung der Weltkonjunktur abhänge. Aus eigener Kraft könne die deutsche Wirtschaft nicht wachsen. Den stärksten Rückgang hätten erneut die Bruttoinvestitionen verzeichnet. Der Rückgang um 6,4% belege, dass nicht niedrige Zinsen notwendig seien, um Unternehmer zu Investitionen anzureizen, sondern gute Perspektiven. Gemäß allen Umfragen herrsche in Deutschland aber großer Pessimismus.

Dieser Pessimismus wirke sich auch auf den Privaten Konsum aus. Zum ersten Mal seit es gesamtdeutsche Daten gebe, sei der Private Konsum gesunken (-0,5%). Das Motto "Geiz ist geil" sei nicht nur ein Werbeslogan, sondern beschreibe exakt das Verhalten der Verbraucher. Während die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte um 1,0% gestiegen seien, hätten die privaten Konsumausgaben nur um 0,9% zugenommen. Als Ergebnis sei die Sparquote von 10,1% auf 10,3% gestiegen. Diese Konsumverweigerung lasse sich durch die "TEuro-Debatte", die Notwendigkeit der privaten Altersvorsorge und die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes begründen. Die sinkende Anzahl der Erwerbstätigen bestätige diese Furcht.

Die Staatsausgaben seien um 1,5% gestiegen und hätten somit einen kleinen Beitrag zum Wachstum leisten können. Allerdings seien diese Ausgaben durch Schulden finanziert worden. Nach vorläufigen Angaben habe der Staatssektor ein Finanzierungsdefizit von 77,2 Mrd. Euro verzeichnet. Dies entspreche 3,7% des BIP. Damit habe Deutschland klar über dem Referenzwert des Maastrichtvertrages von 3% gelegen. Ohne eine Belebung der Weltwirtschaft und der Exporte komme die deutsche Konjunktur nicht auf die Beine. Somit sei erst 2004 mit einer spürbaren Erholung zu rechnen. Im übrigen Europa und den USA verlaufe die Entwicklung eindeutig günstiger.