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Fr, 17. April 2026, 18:50 Uhr

Chipwerte erleben Hausse


15.09.00 00:00
LB Schleswig-Holstein

Rein in die Kartoffeln - raus aus die Kartoffeln. Getreu diesem Motto seien in der Berichtswoche die Unternehmen abgestraft worden, denen die Analysten in der Vorwoche noch gutes Erholungspotenzial zugebilligt hätten. Telekommunikations- und Hightech-Titel hätten abermals unter den negativen Vorgaben aus den USA gelitten, wo der Technologieindex Nasdaq einen ausgewachsenen Schwächeanfall erlebt habe.

In den USA tobe nämlich bereits seit Monaten ein erbitterter Meinungsstreit über die Frage, ob denn nun der zyklische Hochpunkt der Halbleiterkonjunktur hinter uns, über uns oder vor uns liege. Im ersteren Fall hätten die Unternehmen der Tech-Branche wie z.B. Siemens, Infineon oder Epcos ihre höchsten Kurse des Zyklus bereits gesehen.

Im letzteren Fall wären die Kurse dieser Unternehmen deutlich zu günstig. Die Wahrheit liege vermutlich irgendwo in der Mitte. Zweifellos hätten die Umsätze der Halbleiterindustrie einen neuen Hochpunkt erreicht. Daraus jedoch zu schließen, dass es nun nur noch abwärts gehen könne, erscheine verfrüht.

Im Gegensatz zu früheren Halbleiterzyklen würden heute Chips und Speicherbausteine in viel mehr und unterschiedlichen Produkten (Autos, Kühlschränke, Handys, Unterhaltungselektronik, Computer) eingebaut, so dass die Nachfrage nach Halbleitern wesentlich weniger zyklisch geworden sei.

Vor diesem Hintergrund erwarte man, dass im kommenden Halbjahr die Chipindustrie über weiter steigende Aufträge und Umsätze berichten werde, was den Kursen zugute kommen sollte. Der Anleger sollte daher bei diesen Kursen wieder rein in die Kartoffeln.

Dass Technologie nicht gleich Technologie sei, hätten die Aktionäre der Infomatec zu spüren bekommen. Nach desaströsen Quartalszahlen und verhaltenem Ausblick für den Rest des Jahres habe zeitweise sogar der zwangsweise Rückzug vom Neuen Markt gedroht. Nachdem heute ein neuer Market-Maker für den Handel der Aktie gefunden worden sei, sei es zu einer Erholung der Aktie gekommen. Da dies jedoch nichts an den ungewissen fundamentalen Aussichten ändere, bleibe die Aktie für den langfristigen Anleger weiterhin tabu.

Man präferiere vielmehr weiterhin Indexzertifikate auf den Neuen Markt oder aber Investments in ausgesuchten Nebenwerten, die fundamental abgesichert erschienen wie z.B. die Sartorius Vz., die in dieser Woche in Kiel im Rahmen einer Unternehmenspräsentation einen Einblick in die Wachstumsstrategie der nächsten Jahre geben werden.

Der Euro habe am Donnerstag unverhofft Höhenluft bekommen, als die Europäische Zentralbank erklärt habe, in den kommenden Wochen die Zinseinnahmen aus ihren Fremdwährungsbeständen zum Kauf von Euros am Devisenmarkt zu nutzen. Es bleibe zu hoffen, dass diese Äußerungen nicht nur kurzfristige Effekte hervorrufen, sondern auch langfristig die Unterbewertung des Euros beseitigen würden. Auf Sicht eines Jahres wäre zumindest die Parität zum US-Dollar ein erreichbares Ziel.