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Sa, 18. April 2026, 2:15 Uhr

CHF bleibt ein sicherer Hafen


13.03.12 10:05
Bank Sarasin & Cie AG

Zürich (www.aktiencheck.de) - Seit dem Jahreswechsel haben sich mächtige makroökonomische Trends herauskristallisiert, die einen starken Anstieg der Aktienmärkte bewirkt haben, so Dr. Jan Amrit Poser, Chefökonom bei der Bank Sarasin & Cie AG.

In einem solchen Umfeld zurückgehender Risikoaversion sollten sich sichere Häfen wie der Schweizer Franken grundsätzlich abschwächen. Betrachte man die Entwicklung von Aktien und den Wechselkurs EUR/CHF seit der Einführung der Untergrenze im September 2011, zeige sich überraschenderweise, dass der CHF gestiegen sei, als die Aktienmärkte gefallen seien und umgekehrt. Habe der CHF seine Funktion als sicherer Hafen durch die Eingriffe der Schweizerischen Nationalbank (SNB) verloren?

Das neue Verhaltensmuster des Schweizer Frankens habe sicherlich etwas mit den Interventionen zu tun, jedoch anders als es auf den ersten Blick scheine. In den Monaten seit der Einführung der EUR/CHF-Untergrenze hätten sich die Spekulationen auf ein Auf oder Ab der Schweizer Währung auf die Frage reduziert, ob die SNB die Untergrenze anheben würde. Die Meinung der Bank Sarasin zu diesem Thema sei immer gewesen, dass die Nationalbank dieses Risiko nicht eingehen werde und nicht eingehen müsse.

Diese Prognose fuße auf der Erwartung, dass die von der Bank Sarasin diagnostizierte Rezession in der Schweiz aufgrund der Aufhellung der Weltkonjunktur und dem Abflauen der Euroschuldenkrise nur flach ausfallen werde. Tatsächlich habe sich seit Januar weder der Rückgang der Preise noch der Rückgang der Industrieproduktion fortgesetzt. Daraus ergebe sich das paradox anmutende Verhaltensmuster des CHF: Während die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Rezession in Europa und der Schweiz die Aktien beflügle, steige der CHF, weil die Erwartung einer Anhebung der EUR/CHF-Untergrenze zur Bekämpfung der Rezession und Deflation aus dem Markt weiche.

Dass sich der CHF momentan anders verhalte als in der Vergangenheit, bedeute jedoch nicht, dass er seinen Status als sicherer Hafen verloren habe. Im Gegenteil: Wenn der EUR/CHF-Wechselkurs auch bei einer sich verbessernden Datenlage bei der Untergrenze von 1,20 verbleibe, bedeute dies, dass es weiterhin genügend Käufer gebe, die bei diesem Wechselkurs bereit seien, in CHF zu investieren. Da der CHF bei 1,20 gemäß den Berechnungen der Bank Sarasin zur Kaufkraftparität stark überbewertet sei, würden die CHF-Käufer momentan also noch immer eine Prämie zahlen, um sich vor Negativszenarien abzusichern.

Offenbar hätten die sich abzeichnende Wirtschaftserholung und die abflauende Euroschuldenkrise die Risikoaversion noch nicht ausreichend reduziert. Dies sei auch anhand der noch immer tiefen langfristigen Zinsen und der günstigen Bewertungen der Aktienmärkte abzulesen. Die Bank Sarasin schließe daraus, dass der CHF aus einer verhaltenstheoretischen Betrachtung momentan sogar noch stärker sein müsste und sein derzeitiger Stand letztlich der glaubwürdigen Politik der SNB zu verdanken sei. (13.03.2012/ac/a/m)