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Sa, 25. April 2026, 23:45 Uhr

Börse Berlin neues Marktsegment


23.08.01 09:27
Lang & Schwarz

Am frühen Donnerstag Nachmittag teilte die Berliner Börse mit, dass sie im September ein neues Marktsegment für Zertifikate eröffne und im Oktober den Online-Handel mit Optionsscheinen starten wird, berichten die Experten von "Lang & Schwarz".

Mit Blick auf die Konstellationen in Berlin und die strategischen Verflechtungen mit Consors sei dieser Schritt durchaus nachvollziehbar, da der Grossteil der Optionsscheinumsätze derzeit in Stuttgart abgewickelt werde und so keine Synergieeffekte erreicht werden könnten.

Pikanterweise erhalte jedoch nicht etwa das Lieblingskind der Berliner Börse, die Berliner Effektengesellschaft den Zuschlag als Skontroführer, sondern die bis dato in Berlin untätige Firma Spütz. "ZOBEX" (Zertifikate Optionsscheine Berlin Exchange), so der Arbeitstitel, sei dabei für Berlin und die Spütz AG ein durchaus sinnvoller Schritt, der jedoch erst durch die Kursaussetzung der Spütz Aktie am späten Donnerstag Nachmittag seinen wahren Glanz entfalte.

Es sei unbestritten, das aufgrund der Kurs- und Umsatzrückgänge die Finanzdienstleister und Online-Banken am Anfang eines dringend notwendigen Konsolidierungsprozesses stünden, der möglicherweise durch die für Freitag in Aussicht gestellte wichtige Mitteilung, betreffend die Spütz AG, eingeläutet werde. Die Spekulation sei erlaubt, ob die Berliner Börse mit ihrer ZOBEX-Pressemitteilung dieser wichtigen Mitteilung der Spütz AG ungewollt vorgegriffen habe.

Bekanntlich sei der Haupt-Player am Berliner Markt, die Berliner Effektengesellschaft, auf dem Höhepunkt des Neuen Markt Hypes mehrheitlich an die Consors AG verkauft worden. Es stelle sich nun die Frage, ob Consors nunmehr eine weitere Übernahme plane, jetzt allerdings zu Ausverkaufspreisen.

Für Consors wäre die Übernahme der Spütz AG ein durchaus sinnvoller Schritt. Auf Basis des aktuellen Kurses von Euro 7,00 ergebe sich eine Marktkapitalisierung von lediglich Euro 38,5 Mio.. Zum Vergleich: Kurz vor der offiziellen Einführung der Spütz AG im Herbst 1998 sei Spütz noch mit DM 1,1 Mrd. bewertet worden. Die Spütz AG verfüge, neben diversen nicht börsennotierten Beteiligungen, über einen nicht unerheblichen Anteil an der Deutsche Börse AG. Auf Basis des Schlusskurses vom 23. August 2001 gehen die Experten von "Lang & Schwarz" davon aus, dass diese Beteiligung alleine etwa Euro 32,0 Mio. wert ist.

Die Halbjahresbilanz der Gesellschaft weise darüber hinaus Barreserven in Höhe von Euro 17,0 Mio. aus. Damit handele es sich hier um den klassischen Fall einer unterbewerteten Aktie. Consors würde zwar die Spütz AG kaum auf dem aktuellen Kursniveau übernehmen können, dennoch wäre es für sie ein phantastisches Geschäft. Neben tausenden von Skontren in Optionsscheinen in Frankfurt und Düsseldorf, Skontren in Werten des Neuen Marktes in Frankfurt und Düsseldorf und der oben erwähnten ZOBEX übernähme Consors auch ein Analystenteam und einen eingeführten Orderexecution Desk zum Nulltarif.

Darüber hinaus könnte Consors durch eine Fusion der Spütz AG mit der Berliner Effekten Gesellschaft erhebliches Synergiepotential erschließen. Man dürfe gespannt sein, ob nicht die gesamte Branche der Finanzdienstleister durch die Übernahmephantasie beflügelt werde. Die Frage sei nicht ob, sondern nur Wer mit Wem und Wann. Dies gelte im Übrigen auch für die Online-Banken.

Für den spekulativen Investor ergeben sich auf den aktuell tiefen Bewertungsniveaus der Branche eine ganze Reihe von Möglichkeiten an dieser Entwicklung zu partizipieren:

Finanzdiensleister: Berliner Effektengesellschaft, Baader Wertpapierhandelsbank, Börsenmakler Schnigge AG, Concord Effekten, Euwax Broker, Fritz Nols, MWB Wertpapierhandelshaus, Kling Jelko, Deutsche Börse.

Online-Banken: Comdirect, ConSors Discount-Broker, DAB bank.