Automobilindustrie unter Zugzwang
29.02.12 12:56
Bank Sarasin & Cie AG
Zürich (www.aktiencheck.de) - In den letzten Jahren wurden zuerst Biokraftstoffe, später Elektrofahrzeuge als die Zukunftslösung für die Automobiltechnik gefeiert - in beiden Fällen hat die Euphorie inzwischen nachgelassen, wie die Analysten der Bank Sarasin & Cie AG in ihrem aktuellen Nachhaltigkeits-Branchenreport "Gas geben Richtung Nachhaltigkeit" berichten.
An der Optimierung der bestehenden Technologie des Verbrennungsmotors führe bei der Verbesserung der Umweltbilanz des Autos kein Weg vorbei. Autohersteller und Zulieferer, die hierfür Technologien anbieten könnten und gleichzeitig in der Forschung und Entwicklung für neue Technologien breit aufgestellt seien, seien am besten positioniert.
Die Automobilindustrie verzeichne im Vergleich zu anderen Branchen große ökologische und soziale Risiken. Der Straßenverkehr sei einer der größten Verbraucher von Erdöl und einer der größten Verursacher von Luftschadstoffen. Die anhaltende Verlagerung von Produktionsstandorten in Niedriglohnländer berge zusätzlich hohe soziale Risiken. Die Anforderungen an die Unternehmen bei einer Nachhaltigkeitsanalyse seien deshalb sehr hoch. Da in den letzten Jahren die Technologieentwicklung immer mehr von den Autoherstellern an die Zulieferer verlagert worden sei, müssten beide Branchen im Verbund betrachtet werden.
Die Automobilindustrie stehe durch die Umweltpolitik und die absehbare Verknappung von Erdöl unter Zugzwang. Sie müsse die Energieeffizienz der bestehenden Technologien verbessern und neue energieeffiziente und emissionsarme Technologien oder Alternativen zum Erdöl als Treibstoff entwickeln. Das Spektrum der Automobilhersteller und -zulieferer, um dieser Entwicklung zu begegnen, reiche von motor- und fahrzeugtechnischen Lösungen zur Optimierung der bestehenden Verbrennungsmotortechnologie, über Biokraftstoffe bis hin zu neuen Antriebskonzepten.
Der Schwerpunkt der Technologieentwicklung werde mittelfristig bei der Steigerung der Brennstoffeffizienz und Reduktion der Emissionen des Verbrennungsmotors liegen. Kombinierte Antriebe aus Verbrennungs- und Elektromotor (Hybridantrieb) und reine Elektromotoren seien zwar bis vor kurzem als die Zukunftstechnologien schlechthin gehandelt worden. Diese Euphorie habe sich aber aus ökologischen und ökonomischen Gründen abgeschwächt.
Bei den Automobilherstellern qualifiziere sich nur die französische Gruppe PSA Peugeot Citroën (ISIN FR0000121501/ WKN 852363) in der neusten Bewertung als einziger Titel für das nachhaltige Anlageuniversum der Bank Sarasin. Der Hersteller schneide in wichtigen Kriterien wie der Klimagas-Effizienz der Fahrzeugflotte in Bezug auf anstehende gesetzliche Zielwerte gut ab. Bei der Optimierung des Verbrennungsmotors neben PSA Peugeot Citroën seien Toyota (ISIN JP3633400001/ WKN 853510), Volkswagen (ISIN DE0007664039/ WKN 766403) sowie BMW (ISIN DE0005190003/ WKN 519000) gut aufgestellt. Zusammen mit Honda (ISIN JP3854600008/ WKN 853226) habe dieses Quartett auch die Nase vorn, wenn es um neue Technologien wie Elektromotoren oder sogar die Nutzung der Brennstoffzelle gehe.
Im Bereich der Automobilzulieferer rage Branchenführer Bosch bezüglich Nachhaltigkeit heraus. Das Unternehmen verfüge über ein breit aufgestelltes Technologiespektrum mit Schwerpunkt Verbrennungsmotortechnik. Die traditionell konstruktive Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und die auf Stabilität ausgelegte Personalpolitik würden weiter zur guten Bewertung beitragen. In der zweiten Reihe würden Denso (ISIN JP3551500006/ WKN 858734), ein traditionell eng mit Toyota zusammenarbeitender Zulieferer, der unter anderem Einspritzsysteme und energieeffiziente Klimaanlagen produziert, sowie Johnson Controls (ISIN US4783661071/ WKN 857069) figurieren, dessen Geschäftsaktivitäten einen Schwerpunkt bei Sitzen und anderen Inneneinrichtungen sowie Batterien hätten.
Hybridmotoren seien bezüglich CO2 in erster Linie auf kürzeren Strecken vorteilhaft, das heiße, wenn der Elektroantrieb eingesetzt werden könne. Der reine Elektromotorantrieb sei derzeit noch nicht ausgereift und wenig konkurrenzfähig. Insbesondere müsse wegen der hohen Kosten und Gewichte die Batterietechnologie verbessert werden. Aus ökologischer Sicht würden reine Elektroantriebe nur Sinn machen, wenn zur Aufladung der Batterien ein hoher Anteil CO2-freien Stroms (z. B. aus Solar- oder Windkraftwerken) verwendet werde. Elektroantriebe dürften in den nächsten zehn Jahren keine nennenswerte Bedeutung erlangen.
Inzwischen sei auch die Euphorie um Biokraftstoffe abgeebbt. Die politische Unterstützung für Biokraftstoffe habe sich generell stark abgeschwächt. Einerseits konkurriere der Anbau von Agrarrohstoffen für die Biokraftstoffproduktion mit der Nahrungsmittelproduktion und trage zum Preisauftrieb von Agrargütern bei. Andererseits sei die Reduktion von Treibhausgasen, die durch Biokraftstoffe erreichbar sei, begrenzt. Die Vorteile für Biokraftstoffe würden in vielen Anbauregionen fast vollständig verschwinden, wenn alle Umweltauswirkungen (z. B. Überdüngung aus der Landwirtschaft) berücksichtigt würden. Ob die so genannten Biokraftstoffe der 2. und 3. Generation zur Marktreife entwickelt werden könnten, sei zurzeit noch offen.
Die Optimierung der bestehenden Verbrennungsmotortechnik habe ein Potenzial zur
Klimagasreduktion von bis zu 50 Prozent. Hierzu würden motortechnische Maßnahmen gehören, die vor allem die Leistungs- und Effizienzsteigerung beim Verbrennungsprozess ermöglichen würden. Durch die automatische Motorabschaltung im Stillstand (Start/Stopp-Systeme), effizientere Getriebe und fahrzeugtechnische Maßnahmen wie Leichtbau-Karosserien würden sich weitere Verbesserungen erreichen lassen. Bis 2020 werde daher weltweit der Verbrennungsmotor dominieren, wobei Direkteinspritzungssysteme und Hybridantriebe nennenswerte Marktanteile erreichen würden. (29.02.2012/ac/a/m)
An der Optimierung der bestehenden Technologie des Verbrennungsmotors führe bei der Verbesserung der Umweltbilanz des Autos kein Weg vorbei. Autohersteller und Zulieferer, die hierfür Technologien anbieten könnten und gleichzeitig in der Forschung und Entwicklung für neue Technologien breit aufgestellt seien, seien am besten positioniert.
Die Automobilindustrie verzeichne im Vergleich zu anderen Branchen große ökologische und soziale Risiken. Der Straßenverkehr sei einer der größten Verbraucher von Erdöl und einer der größten Verursacher von Luftschadstoffen. Die anhaltende Verlagerung von Produktionsstandorten in Niedriglohnländer berge zusätzlich hohe soziale Risiken. Die Anforderungen an die Unternehmen bei einer Nachhaltigkeitsanalyse seien deshalb sehr hoch. Da in den letzten Jahren die Technologieentwicklung immer mehr von den Autoherstellern an die Zulieferer verlagert worden sei, müssten beide Branchen im Verbund betrachtet werden.
Die Automobilindustrie stehe durch die Umweltpolitik und die absehbare Verknappung von Erdöl unter Zugzwang. Sie müsse die Energieeffizienz der bestehenden Technologien verbessern und neue energieeffiziente und emissionsarme Technologien oder Alternativen zum Erdöl als Treibstoff entwickeln. Das Spektrum der Automobilhersteller und -zulieferer, um dieser Entwicklung zu begegnen, reiche von motor- und fahrzeugtechnischen Lösungen zur Optimierung der bestehenden Verbrennungsmotortechnologie, über Biokraftstoffe bis hin zu neuen Antriebskonzepten.
Bei den Automobilherstellern qualifiziere sich nur die französische Gruppe PSA Peugeot Citroën (ISIN FR0000121501/ WKN 852363) in der neusten Bewertung als einziger Titel für das nachhaltige Anlageuniversum der Bank Sarasin. Der Hersteller schneide in wichtigen Kriterien wie der Klimagas-Effizienz der Fahrzeugflotte in Bezug auf anstehende gesetzliche Zielwerte gut ab. Bei der Optimierung des Verbrennungsmotors neben PSA Peugeot Citroën seien Toyota (ISIN JP3633400001/ WKN 853510), Volkswagen (ISIN DE0007664039/ WKN 766403) sowie BMW (ISIN DE0005190003/ WKN 519000) gut aufgestellt. Zusammen mit Honda (ISIN JP3854600008/ WKN 853226) habe dieses Quartett auch die Nase vorn, wenn es um neue Technologien wie Elektromotoren oder sogar die Nutzung der Brennstoffzelle gehe.
Im Bereich der Automobilzulieferer rage Branchenführer Bosch bezüglich Nachhaltigkeit heraus. Das Unternehmen verfüge über ein breit aufgestelltes Technologiespektrum mit Schwerpunkt Verbrennungsmotortechnik. Die traditionell konstruktive Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und die auf Stabilität ausgelegte Personalpolitik würden weiter zur guten Bewertung beitragen. In der zweiten Reihe würden Denso (ISIN JP3551500006/ WKN 858734), ein traditionell eng mit Toyota zusammenarbeitender Zulieferer, der unter anderem Einspritzsysteme und energieeffiziente Klimaanlagen produziert, sowie Johnson Controls (ISIN US4783661071/ WKN 857069) figurieren, dessen Geschäftsaktivitäten einen Schwerpunkt bei Sitzen und anderen Inneneinrichtungen sowie Batterien hätten.
Hybridmotoren seien bezüglich CO2 in erster Linie auf kürzeren Strecken vorteilhaft, das heiße, wenn der Elektroantrieb eingesetzt werden könne. Der reine Elektromotorantrieb sei derzeit noch nicht ausgereift und wenig konkurrenzfähig. Insbesondere müsse wegen der hohen Kosten und Gewichte die Batterietechnologie verbessert werden. Aus ökologischer Sicht würden reine Elektroantriebe nur Sinn machen, wenn zur Aufladung der Batterien ein hoher Anteil CO2-freien Stroms (z. B. aus Solar- oder Windkraftwerken) verwendet werde. Elektroantriebe dürften in den nächsten zehn Jahren keine nennenswerte Bedeutung erlangen.
Inzwischen sei auch die Euphorie um Biokraftstoffe abgeebbt. Die politische Unterstützung für Biokraftstoffe habe sich generell stark abgeschwächt. Einerseits konkurriere der Anbau von Agrarrohstoffen für die Biokraftstoffproduktion mit der Nahrungsmittelproduktion und trage zum Preisauftrieb von Agrargütern bei. Andererseits sei die Reduktion von Treibhausgasen, die durch Biokraftstoffe erreichbar sei, begrenzt. Die Vorteile für Biokraftstoffe würden in vielen Anbauregionen fast vollständig verschwinden, wenn alle Umweltauswirkungen (z. B. Überdüngung aus der Landwirtschaft) berücksichtigt würden. Ob die so genannten Biokraftstoffe der 2. und 3. Generation zur Marktreife entwickelt werden könnten, sei zurzeit noch offen.
Die Optimierung der bestehenden Verbrennungsmotortechnik habe ein Potenzial zur
Klimagasreduktion von bis zu 50 Prozent. Hierzu würden motortechnische Maßnahmen gehören, die vor allem die Leistungs- und Effizienzsteigerung beim Verbrennungsprozess ermöglichen würden. Durch die automatische Motorabschaltung im Stillstand (Start/Stopp-Systeme), effizientere Getriebe und fahrzeugtechnische Maßnahmen wie Leichtbau-Karosserien würden sich weitere Verbesserungen erreichen lassen. Bis 2020 werde daher weltweit der Verbrennungsmotor dominieren, wobei Direkteinspritzungssysteme und Hybridantriebe nennenswerte Marktanteile erreichen würden. (29.02.2012/ac/a/m)
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