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Fr, 17. April 2026, 23:25 Uhr

Automobilbranche im Blickfeld


22.08.03 10:21
Frankfurter Sparkasse

In Hinblick auf die bevorstehende Internationale Automobilausstellung vom 11. bis 21. September in Frankfurt rückt die Automobilbranche verstärkt in das Blickfeld der Investoren, berichten die Analysten der Frankfurter Sparkasse.

Sei der heimische Inlandsmarkt in den letzten Jahren mit jährlich 3,25 Millionen PKW stagnierend gewesen, erhoffe sich die Branche mittels neuer Modelle erhöhte Verkaufszahlen. Aufgrund des mäßigen Zuwachses innerhalb des deutschen Marktes sei in den letzten Jahren die Exportquote laut VDA sukzessive auf 70 Prozent erhöht worden. Da die Zurückhaltung im Ausland, vornehmlich in den USA, sowie die Euro/USD-Wechselkurssituation die dortigen Gewinnmöglichkeiten dämpfen würden, werde die Branche Anstrengungen unternehmen, um den Absatz hierzulande anzukurbeln.

Bisher hätten vor allem die Massenhersteller unter der Nachfrageschwäche zu leiden. Während der Automobilabsatz bei Volkswagen von der bevorstehenden Ablösung des Golf bzw. der baldigen Erneuerung des zweiten Massenmodells Passat negativ beeinflusst sei, leide Ford auch ohne Nachfolgeproblematik unter einer abnehmenden Nachfrage. Aber auch Premiumhersteller wie DaimlerChrysler, die ihr Geld hauptsächlich mit Exklusivmodellen wie E-Klasse und CLK verdienen würden, könnten sich nicht gänzlich der Lage entziehen. Auch bei Porsche müsse der geländegängige Cayenne einen Rückgang bei den Sportmodellen ausgleichen.

Relativ gut stelle sich, dank eines geschickten Faceliftings bestehender Produktreihen sowie der Produktreihe Mini, BMW dar. Ob die IAA vor dem Hintergrund, das in den letzten Jahren hinsichtlich der Modellvielfalt sowie zahlreicher Neuerungen verwöhnte Publikum zu Neuanschaffungen im erhofften Ausmaß werde bewegen können, bleibe angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abzuwarten. Im Wesentlichen ruhe die Hoffnung auf dem neuen VW Golf, der die Verkaufszahlen für Gesamtdeutschland in 2004 in Richtung 3,5 Millionen Einheiten bewegen solle.

Sehr viel schlechter sehe es hingegen in der amerikanischen Automobilindustrie aus. Trotz stabiler Absatzzahlen werde im Kerngeschäft kaum oder gar kein Geld verdient. Verantwortlich hierfür würden sich weiterhin die enormen Kaufanreizprogramme zeichnen, die im Juli im Vergleich zum Vorjahr sowohl bei den Personenwagen als auch bei Light Trucks stark zugelegt und für amerikanische Produkte im Schnitt bei 4000 USD gelegen hätten (plus 39 Prozent). Gedacht gewesen seien die sogenannten "Incentives" zur Stabilisierung des Absatzes sowie zur Gewinnung von Marktanteilen. Zudem hätten die bisher gewährten Nachlässe zu einer deutlichen Verjüngung des Autobestandes geführt, so dass ein weiterer Absatzerfolg mittels deutlich erhöhter Kaufanreize teuer erkauft werden müsse.

Die weitere Geschäftsentwicklung dürfte daher weiterhin von rückläufigen Erträgen bzw. Verlusten geprägt sein. Ob ein gesamtwirtschaftlicher Aufschwung zu einer Verbesserung der Lage führen werde, dürfte angesichts der vorgezogenen Käufe zu bezweifeln sein. Auch würden sich die amerikanischen Automobilbauer auf dem heimischen Markt zusehends der Konkurrenz aus Europa sowie vor allem Japan ausgesetzt sehen.

Eine nicht zu unterschätzende Belastung drohe zudem durch die Problematik in Hinsicht auf eine Unterdeckung der Pensionsrückstellungen bzw. Krankenversicherungen. General Motors habe bisher als einziges der Unternehmen ein Defizit von rund 70 Milliarden USD veröffentlicht. Ford und Chrysler stünden ebenfalls vor ähnlichen Problemen. Eine Studie von UBS Warburg habe sogar vor dem Bankrott von GM gewarnt, sollten die Verkaufszahlen sinken und die Kosten für die Krankenversicherung steigen.





 
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