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Fr, 17. April 2026, 11:22 Uhr

Aktienmarkt stark schwankend


26.01.09 14:55
Conrad Hinrich Donner Bank

Hamburg (aktiencheck.de AG) - Der Aktienjahrgang 2008 erhält das Prädikat "einmalig", so die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank.

Der Zeit der positiven Kursentwicklungen an den Börsen seit 2003 sei ein jähes Ende bereitet worden. Die Gründe dafür hätten in einer Aneinanderreihung von Faktoren gelegen, die in eine historisch einmalige Finanzmarktkrise gemündet habe.

Der Blick zurück: Im Sommer 2007 habe die Immobilienkrise ihren Lauf genommen. Die Aktienmärkte hätten sich davon zunächst wenig beeindruckt gezeigt und das Börsenjahr 2008 in der Nähe ihrer absoluten Höchstkurse begonnen. Doch mit der Schieflage eines Aktienhändlers, die der französischen Großbank Société Générale im Januar rund 4,9 Mrd. Euro Verlust einbringe, hätten die Bären an der Börse die Oberhand gewonnen.

Die Probleme der hochverschuldeten Verbraucher in den USA seien immer mehr in den Vordergrund getreten und die Folgen für den Kapitalmarkt seien immer deutlicher sichtbar geworden. Die undurchschaubaren Strukturierungsformen von Immobilienkrediten, die Refinanzierungsprobleme von Zweckgesellschaften, die über Jahre unvorstellbare Summen in diese Finanzinstrumente investiert hätten, hätten einen Abschreibungsbedarf bei Banken ausgelöst, den diese ohne staatliche Hilfe nicht mehr hätten bewältigen können.

Gleichzeitig seien Investoren gezwungen gewesen, ihre Risiken durch den Verkauf von Aktien zu reduzieren, obwohl - anders als am Vorabend großer Crashs wie in den Jahren 1929 oder 2000 - Aktien günstig bewertet gewesen seien. Eine nicht abreißende Welle von weiteren Hiobsbotschaften aus dem Finanzsektor habe das gesamte Jahr 2008 geprägt.

Als sich abgezeichnet habe, dass die Folgen der Finanzkrise zunehmend auch in der Realwirtschaft ihre Spuren hinterlassen würden, sei das Unvorstellbare geschehen. Im September habe die US-Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz angemeldet. Dieses einschneidende Ereignis habe das ohnehin stark beeinträchtigte Vertrauen an den Kapitalmärkten in seinen Grundfesten erschüttert. Die Auswirkungen dieser Entscheidung, das Institut nicht durch staatliche Hilfe zu retten, seien von ungeahnter und mehrdimensionaler Tragweite gewesen. Aktienindices hätten im 4. Quartal neue Jahrestiefststände erreicht und es sei zu einer Kapitulation an den Börsen gekommen.

In einer Welt, in der ein etabliertes Aktienbarometer wie der DAX innerhalb von weniger als zwölf Monaten in der Spitze um über 50% falle, sich die Wirtschaftsforscher in ihrer pessimistischen Einschätzung für die Weltwirtschaft zu überbieten versuchen würden und einzelne Volkswirtschaften wie z. B. Ungarn am Rande einer Zahlungsunfähigkeit stünden, sei die Suche nach Orientierung groß. Aktienanleger sollten sich in der ersten Hälfte des Jahres auf einen schweren Einbruch der weltweiten Wirtschaftsleistung einstellen. Die Berichterstattung der Unternehmen für die ersten beiden Quartale dürfte somit wenig positive Überraschungen bereithalten. Es deute sich schon jetzt ein weiterer Rückgang der Unternehmensgewinne an.

Doch selbst in diesem Umfeld würden sich Chancen ergeben. Zum Jahresende 2008 hätten sich die Aktienmärkte um rund 20% von ihren Jahrestiefstständen erholt.

Starke Kursausschläge seien auch weiterhin zu erwarten. Allerdings würden einzelne Volatilitätsindices, die die vom Terminmarkt erwartete Schwankungsbreite abbilden würden, auf eine Marktberuhigung hindeuten. Der VDAX habe sich nach seinem Allzeithoch im Oktober nahezu halbiert. Der absolute Wert liege allerdings immer noch deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Ein weiterer Rückgang der erwarteten Schwankungsbreite könne als klares Signal für eine Rückkehr von Anlegervertrauen angesehen werden.

Vor dem Hintergrund der Börsentalfahrt 2008 stehe die Aussage "Langfristig gewinnt die Aktie immer" auf einem erneuten Prüfstand. Wer im Dezember 1998 in den DAX investiert habe, habe am Jahresende 2008 einen Verlust von 5% verzeichnet. Dabei seien Dividenden bereits mit eingerechnet. Demgegenüber hätten sich sogar Anlagen in Staatsanleihen oder Kontoguthaben als lukrativ erwiesen. Doch mit Blick auf 30 Jahre und mehr schneide die Aktie mit Jahresrenditen von durchschnittlich 6% noch immer respektabel ab. Daher sei eine generelle Abkehr vom Aktienmarkt nicht zu empfehlen. Dies gelte auch unter der Berücksichtigung staatlicher Regulierungen, die Gewinne in einzelnen Branchen reduzieren würden. Diese Maßnahmen würden mittel- bis langfristig zu einer Gesundung der Märkte beitragen.

Ein weiterer Trend sollte sich in Zukunft verstärkt durchsetzen - der zunehmende Anteil der Aktienanlage in Indexfonds. Sie würden viele Vorzüge bieten, die eine erfolgreiche Anlage auch in kritischen Börsenphasen erlaube: Die transparente Gestaltung, die Nachvollziehbarkeit der Kursentwicklung, eine hohe Liquidität sowie die Rechtsstellung als Sondervermögen würden diese Anlageform auszeichnen. Kursschwankungen in einem Aktienindex würden sich effizient und erfolgreich mit indexnahen Instrumenten abbilden lassen.

Vor dem Hintergrund weiterhin stark schwankender Aktienmärkte behalten die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank ihre vorsichtige Haltung bei. Wie lange die aktuelle Krise noch andauern werde, sei nicht vorhersehbar. Die Marktkorrektur 2008 sei erheblich gewesen. Es bleibe abzuwarten, wie die Reaktionen der Börsen ausfallen würden, wenn sich eine Stabilisierung der Konjunkturdaten auch auf niedrigem Niveau einstelle. Die Handlungsfähigkeit unter allen erdenklichen Umständen zu erhalten, sei und bleibe das Gebot der Stunde für alle Akteure am Aktienmarkt.

Den Schwerpunkt ihres Aktienportfolios würden die Analysten unverändert auf deutsche und internationale Standardwerte legen. Ihrer Erwartung nach sollten insbesondere große Unternehmen mit langfristig erfolgreichen Geschäftsmodellen als erste den Weg aus der Krise finden. Unter den Beimischungen sei die Branche Gesundheit neu aufgenommen worden. Bei Fortsetzung eines volatilen Börsenverlaufs werde dieser Sektor seine relative Stärke gegenüber dem Gesamtmarkt fortsetzen können und zur Stabilisierung des Gesamtportfolios beitragen. (Ausgabe 1. Quartal 2009) (26.01.2009/ac/a/m)