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Fr, 17. April 2026, 13:51 Uhr

Aktienmärlte zurück in die Nullstellung


20.07.09 14:52
Conrad Hinrich Donner Bank

Hamburg (aktiencheck.de AG) - Die Kursentwicklungen an den Aktienbörsen im zweiten Quartal 2009 verliefen ähnlich rasant wie im Vorquartal, so die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank.

Die Vorzeichen hingegen seien vollständig umgeschlagen. Dem Kursrückgang in Höhe von 15,08% im DAX Index in den ersten drei Monaten hätten Aufschläge in Höhe von 17,72% im Zeitraum von April bis Juni gegenübergestanden. Seit Jahresanfang würden sich die Aktienindices in Europa und für Standardwerte in den USA nahezu unverändert zeigen. Erfreulicher sei dagegen die Aktienmarktentwicklung in Japan verlaufen. Deutlich positiv hätten sich der NASDAQ 100 Index für amerikanische Technologiewerte sowie die Notierungen in den großen Schwellenländern Brasilien, Russland, Indien und China entwickelt.

Trotz der beeindruckenden Kursentwicklung an den Aktienbörsen in Europa und in den USA seit den Tiefstständen im März diesen Jahres würden die Analysten die Auffassung teilen, dass die Börsen bereits die nächste Konjunkturerholung einpreisen würden, nur bedingt. Die Markterholung habe viele Indices gerade erst auf das Ausgangsniveau zu Jahresbeginn zurückgeführt. Die jetzt erreichte Nullstellung treffe jedoch auf eine geringere Risikoaversion und auf eine wieder zunehmende Risikotoleranz der Investoren. Dies habe auch deutliche Spuren in der Positionierung der Analysten am Aktienmarkt hinterlassen.

Die sich zum Ende des ersten Quartals andeutende Stabilisierung der Aktienmärkte, hätten die Analysten zum Anlass genommen die Aktienquoten zügig auszubauen und hätten damit ihre vorsichtige Haltung aufgegeben. Im Mai hätten sie die Aktienquote auf das maximal zulässige Maß erhöht und würden an dieser Positionierung unverändert festhalten.

Drei Aspekte würden in den Fokus der Spurensuche der Analysten für den Umschwung an den Aktienmärkten rücken. In der letzten Ausgabe ihres Anlagebriefes hätten sie darauf hingewiesen, dass Rohstoffpreise und Frachtraten im ersten Quartal dieses Jahres Zeichen der Stabilisierung aufweisen würden und deren Beobachtung sorgsam fortgesetzt werden sollte. Der Baltic Dry Index, der die Verschiffungskosten bestimmter Rohstoffe messe, habe sich seither nahezu verdoppelt. Einen deutlichen Anstieg hätten auch die Rohstoffpreise selbst gezeigt. Preise für Erdöl oder ausgewählte Metalle hätten im zweiten Quartal neue Jahreshöchststände erreicht. Die Anzeichen dafür, dass sich der aktuelle Wirtschaftsabschwung nicht weiter verschärfe, hätten sich dadurch deutlich verstärkt.

Der zweite Weg auf der Spurensuche der Analysten führe sie in den Bereich der festverzinslichen Wertpapiere. Wie in der folgenden Rubrik Rentenmärkte ausgeführt, hätten sich die Renditeaufschläge für Unternehmensanleihen im Vergleich zu Staatsanleihen unter zum Teil starken Schwankungen zur Jahresmitte deutlich zurückgebildet. Mit anderen Worten: Anleger seien bereit gewesen, sich das gleiche Risiko mit weniger Rendite bezahlen zu lassen. Diese Beobachtung treffe auf alle der von den Analysten beobachteten Branchen für Unternehmensanleihen in Europa zu. Die Aufhellung in diesem Anleihesegment sei eine Grundvoraussetzung für eine Kurserholung an den Aktienmärkten und steht mit einer solchen in direktem Zusammenhang.

Besonders deutlich und fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit seien die Revisionen für erwartete Unternehmensgewinne (Anzahl der von Aktienanalysten nach oben abzüglich der Anzahl der nach unten revidierten Gewinnschätzungen dividiert durch die Gesamtzahl) in den ersten sechs Monaten verlaufen. Während bis in das erste Quartal dieses Jahres hinein die Zahl der nach unten revidierten Gewinnschätzungen der Analysten gestiegen sei, habe sich diese Entwicklung im Jahresverlauf umgekehrt und tendiere für Aktien aus dem DAX Index wieder in Richtung Nulllinie. Für Unternehmen aus dem S&P 500 würden die Gewinnrevisionen sogar schon darüber liegen.

Auch wenn der Verlauf dieses Index keinen Aufschluss über das absolute Gewinnniveau zulasse, sei der Zusammenhang mit der Kurserholung im laufenden Jahr unverkennbar. In den kommenden Quartalen sollten traditionelle Bewertungskennziffern (Kurs/Gewinn-Verhältnis, Gewinnrendite von Anleihen im Verhältnis zur Gewinnrendite von Aktien) wieder verstärkt als Beurteilungskriterium für die Attraktivität von Aktien herangezogen werden können. Bis die Belastbarkeit dieser Daten wieder voll hergestellt sei, sollte die Beobachtung der beschriebenen Indikatoren sorgsam fortgesetzt werden.

Im veränderten Marktumfeld zur Jahresmitte agierten die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank zweidimensional. Zum einen hätten sie wie beschrieben die Aktienquote auf die maximale Höhe ausgebaut. Gleichzeitig würden sie in ihrer Aktienauswahl verstärkt Unternehmen aus Branchen berücksichtigen, die deutlichere Kursschwankungen als der Gesamtmarkt erwarten lassen würden. Einen Schwerpunkt würden dabei Unternehmen aus dem Bereich Grundstoffe sowie Finanzdienstleister bilden. Beide Segmente seien an der Kurserholung seit März dieses Jahres überdurchschnittlich beteiligt gewesen. Die von den Analysten ausgewählten Banken und Versicherungen würden sich dabei durch die Besonderheit auszeichnen, die Turbulenzen der vergangenen 24 Monate ohne staatliche Unterstützung in Form einer Kapitalbeteiligung überstanden zu haben.

Im Bereich der thematischen und regionalen Beimischungen würden die Analysten keine Veränderungen vornehmen. Der Anteil am Gesamtportfolio habe sich allerdings rechnerisch verringert, da die Anhebung der Aktienquote auf das maximal zulässige Maß durch den Erwerb von europäischen und amerikanischen Standardaktien erfolgt sei. Dem gleichen Sachverhalt unterliege auch die Veränderung des Anteils deutscher Standardaktien am Gesamtportfolio.

Infolge ihrer aktuellen Ausrichtung sehen Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank gute Chancen, an weiteren Kurserholungen im zweiten Halbjahr zu partizipieren, ohne das strikte Risikomanagement zu vernachlässigen. Ein erneuter Abbau ihrer Aktienquoten stehe für den Fall, dass die im zweiten Quartal erreichten Jahreshöchststände für internationale Standardaktien deutlich unterhandelt würden, auf der Tagesordnung. Eine solche Entwicklung würde eine Unterbrechung des im März begonnenen Aufwärtstrends bedeuten und die maximale Auslastung der Aktienquote nicht mehr rechtfertigen. (Ausgabe 3. Quartal 2009) (20.07.2009/ac/a/m)